Während die Fernsehmacher sich von ihnen abwenden, haben Veranstalter von Sprachreisen sie als neue Zielgruppe entdeckt: die über 50-Jährigen.

"Sprachkurse für Ältere liegen im Trend", sagt Klaus Vetter, Geschäftsführer von Studiosus Reisen. 30 Prozent Zuwachs konnte das Münchner Unternehmen im vergangenen Jahr bei den Sprachkursen für die Generation 50plus verzeichnen.

Auch Christina Koch freut sich über steigende Zahlen. "Das ist eine Marktlücke", sagt die Mitarbeiterin der Carl Duisberg Centren (CDC) in Hannover. Als einziger Sprachreiseanbieter geben die CDC sogar eine eigene Broschüre für den Sprachurlaub ab 50 heraus. Unter dem Titel Master Class werden Kurse in Großbritannien, Südafrika, Frankreich, Italien und Spanien angeboten.

Zwar werden nach Erhebungen des Fachverbands Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV) in Stockstadt aus dem Jahr 1997 fast zwei Drittel aller Sprachreisen von Schülern unternommen, doch die Älteren sind auf dem Vormarsch. Dabei sind die meisten der spät berufenen Sprachschüler bereits im Ruhestand. Für Konrad Schröder, Professor für die Didaktik des Englischen an der Universität Augsburg, ist das durchaus eine günstige Zeit zum Sprachenlernen. "Die Älteren lernen motivierter und vor allem nicht angstbesetzt", sagt der Professor. Während den Berufstätigen oft noch der Erfolgsdruck im Job im Nacken sitzt und ihre Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt, können die Ruheständler entspannt just for fun lernen. Sie können ihre Italienischkenntnisse verbessern, um die Sprache ihres Urlaubslandes besser zu verstehen. Sie können Spanisch büffeln, weil sie eine Ferienwohnung auf den Kanaren haben, oder Französischvokabeln pauken, um ihrem Faible für französische Weine besser zu frönen. "Die Älteren haben Interesse am Land, und sie haben Zeit", erklärt die CDC-Mitarbeiterin Koch.

Viele machten den Sprachkurs aber auch, um als Alleinreisende besser zurechtzukommen.

"Das sind meist sehr lebhafte Leute", beobachtet Studiosus-Chef Vetter. "Sie betrachten das Sprachenlernen als Urlaubsreise mit Inhalt." So sei der Sprachurlaub eine ideale Chance, nicht nur geistig fit zu bleiben, sondern auch neue Kontakte zu knüpfen. Denn wesentlicher Bestandteil ist stets ein gemeinsames Freizeitprogramm. Je nach Reiseziel stehen Stadtführungen, Konzertbesuche oder Ausflüge in die Umgebung auf dem Plan. Im englischen Seebad Folkestone gibt es einen Afternoon Tea gemeinsam mit englischen Gästen. In Malaga können die Sprachschüler lernen, wie man Flamenco tanzt und Paella kocht. Zum Nachmittagsprogramm gehört häufig die Anwendung der Sprachkenntnisse im Alltag. Da wird im Restaurant das Lieblingsgericht bestellt oder auf dem Markt fürs Abendessen eingekauft.

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