Als der Krieg vorbei war und andere auf die Suche nach ihrem verlorenen Gott gingen, da ging er auf die Suche nach der verschütteten, aber nicht verlorenen Aufklärung und fand sie und verlor sie und fand sie wieder, und wo andere den ganzen Begriff der Aufklärung als historisch überholt verwarfen, glaubte er an sie, weil er sich als ihr Kind sah. Daraus entstand sein Werk.

"Die Pflicht zu hoffen und die Pflicht, nicht zu vergessen, sind weder Synonyme noch Gegensätze", meint er in einem Interview, ein wie hingeworfenes Leitmotiv für seine Schriften.

Man kennt seine Vorliebe für die Göttliche Komödie. Eine der schönsten Stellen in Ist das ein Mensch? (schön, weil in ihr menschlicher Geist, wenn auch nur kurzfristig, Strahlen wirft) ist die, wo er einem Franzosen Dantes Verse zitiert. Und sicher hat er sich irgendwie mit dem großen Gedicht identifiziert, auch er einer, der im Inferno gewesen war. Aber ist er wie Dante, der Tourist in der Hölle? Ist er nicht eher unser Vergil, der Leiter und Wegweiser?

* Primo Levi: Gespräche und Interviews

herausgegeben von Marco Belpoliti

aus dem Italienischen von Joachim Meinert

C. Hanser Verlag, München 1999