Oliver Stone ist ein großer Stilist, vielleicht der größte des zeitgenössischen Kinos. Niemand kann wie er mit Schnitt und Großaufnahmen, mit aberwitzigen Montagen dunkle Bedrohungen, flüchtige Assoziationen, wilde Gedankenblitze gestalten und in den Fluss der Erzählung fügen. Es ist kein klassischer Stil. Stone ist ein Manierist, ein Liebhaber düsterer Suggestionen, gewalttätiger Beredsamkeit, und seine Stoffe sind danach.

American Football, ein barbarischer Sport nach europäischem Verständnis, ist für Stones ästhetische Zwecke ein idealer Gegenstand, sozusagen der Vietnamkrieg im Stadion, jeder Spieler ein Natural Born Killer. An jedem verdammten Sonntag, Stones Geschichte eines Football-Trainers (Al Pacino), ist ohne Frage wieder ein stilistisches Meisterwerk, aber zugleich ein höchst enttäuschender Film. Warum? Oliver Stone hat nichts zu erzählen. Die Geschichte ist belanglos und hat dazu noch ein Happy End

ein Happy End aber ist so ziemlich das Letzte, das man nach einem Bombardement böser Bildmetaphern verträgt. Es wirkt, als sei die ganze Erregung nichts als Hysterie gewesen. Das Happy End kommt einer Selbstdenunziation des Verschwörungstheoretikers Stone gleich. Viel Lärm um nichts. Hat Stone am Ende seinen Frieden mit den amerikanischen Lebenslügen gemacht, die er bisher Film für Film zu enttarnen trachtete? Football als amerikanischer Albtraum, als Sport, der die Menschen zerstört, das wäre ein Film von Stone gewesen.

Dass Football die Menschen auch wieder aufbaut, ist eine Geschichte, die Stone nicht erzählen sollte.