Denis Guedj: Das Theorem des Papageis

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1999

591 S., 44,90 DM

Wissenschaft zu popularisieren heißt, sie in spannende Geschichten zu verpacken. Das Theorem des Papageis ist ein Krimi über Mathematik. Sein Protagonist, ein alter Mann names Pierre Ruche, hatte mit dem Fach nie viel am Hut, bis er nach Jahrzehnten von seinem Jugendfreund Elgar Grosrouvre Post bekommt. Grosrouvre, der ins brasilianische Manaus ausgewandert ist, schickt ihm kistenweise Mathematikbücher. Ruche nennt die Sammlung kurz BAU, Bibliothek aus dem Urwald. Der ehemalige Buchhändler ordnet gerade die Bände, als ein Brief von Grosrouvre eintrifft, in dem der erklärt, zwei berühmte mathematische Rätsel gelöst zu haben, die beide seit Jahrhunderten offen gestanden hätten: die Vermutungen von Fermat und Goldbach. Er wolle jedoch seine Beweise für sich behalten. Da eine ominöse Bande sie aber um jeden Preis in Besitz bekommen wolle, müsse er um sein Leben fürchten. Kurz darauf erreicht Pierre Ruche die Nachricht, das Haus seines Freundes in Manaus sei vollständig abgebrannt. Der Buchhändler sieht sich daraufhin vor drei Fragen gestellt, die er unbedingt beantworten will: Kam Grosrouvre durch Unfall, Verbrechen oder Selbstmord um? Wer trachtete nach seinen mathematischen Arbeiten? Wer ist der treue Kumpan, dem Grosrouvre als Einzigem seine Beweise anvertraute? Im Brief deutet sein Freund mehrfach an, Hinweise seien in der Mathematik zu finden. Also macht sich Ruche zu einem Streifzug durch die Geschichte der Disziplin auf: von den alten Griechen über die Araber bis ins Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts. Von Thales, Euklid, Euler und Gauß haben die meisten schon gehört. Aber wer kennt Umar al-Hayyam und Nasiral-Din al-Tusi? Faszinierend berichtet Denis Duedj von deren Leben und Forschung.

Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert waren arabische Mathematiker führend. Sie erfanden beispielsweise die Algebra.

Doch erliegt der Pariser Professor für Wissenschaftsgeschichte der Versuchung, möglichst viel in das Buch hineinzupacken. Die Romanhandlung wird dadurch zu sehr auseinander gezogen. Der Spannungsbogen der ohnehin etwas konstruiert wirkenden Geschichte reißt ab. Schade. Weniger wäre hier mehr gewesen. So steht zu befürchten, dass, wer sich nicht speziell für Mathematik interessiert, das Buch halb gelesen beiseite legt und so verpasst, wie Grosrouvres Beweise einem würdigen Auditorium vorgetragen werden.