Ferdinand Piëch weiß die Zahl auswendig: Exakt 4254 Drei-Liter-Lupos sind im vergangenen Jahr verkauft worden. Das sei doch ein "schöner Erfolg", meint der Chef des Volkswagen-Konzerns. Zudem hat er im Konzern mit dem Seat Arosa und bald auch mit dem Alu-Audi A2 zwei weitere Drei-Liter-Autos im Portefeuille - und alle konsumieren Diesel. Kurzfristig, da sind sich die Chefs der Autokonzerne einig, habe der Diesel das größte Einsparpotenzial, und das komme durch verminderte CO2-Emissionen auch der Umwelt zugute.

Diese These ließ den Ökoaktivisten von Greenpeace keine Ruhe. Ihnen sind seit langem die von Dieselmotoren ausgestoßenen feinen Rußpartikel ein Dorn im Auge, die nach ihrer Überzeugung erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich bringen (ZEIT Nr. 3/00). Zumal sich die Autohersteller - mit Ausnahme von Peugeot mit dem neuen Oberklassemodell 607 - bislang weigern, Partikelfilter serienmäßig einzubauen. Um Klarheit über die Beiträge des Selbstzünders zur Energieeinsparung zu gewinnen, hat Greenpeace jetzt eine Studie mit dem Titel Diesel - Klimaschutz oder Scheinlösung? vorgelegt. Ihr Fazit: Die großen Hoffnungen, die in den Diesel gesetzt würden, seien "falsch". Die Greenpeace-Experten haben den Pkw-Bestand unter die Lupe genommen.

Berücksichtige man dabei, dass ein Liter Diesel relativ mehr Kohlenstoff enthält als ein Liter Benzin, so kommen sie zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Selbstzünder gerade einmal vier Prozent weniger CO2 ausstoße als ein Otto-Motor. Da nur gut 13 Prozent aller Pkw Diesel tanken, sieht die Bilanz noch magerer aus. "Auf die gesamte Fahrleistung bezogen ergibt sich daraus für 1996 hinsichtlich der C02-Emissionen aller Pkw ein Dämpfungseffekt von rund (minus) 0,7 Prozent durch die Diesel-Pkw", heißt es in der Studie. Selbst wenn man berücksichtige, dass seit der Bestandserhebung 1996 die technische Entwicklung weiterging, sehen die Ökoaktivisten keinen Grund, ihr Urteil zu revidieren. Die größere Effizienz neuer Dieselmotoren werde durch die Tendenz zu immer stärkeren Modellen wieder wettgemacht. Der neueste Mercedes-S-Klasse-Diesel steht dafür: Satte 250 PS hat der "stärkste Pkw-Seriendiesel" (Mercedes-PR) unter der Haube. Der Schluss von Greenpeace: "Die Erkenntnisse sprechen eindeutig dagegen, die bisherige steuerliche Förderung des Dieselkraftstoffs aufrechtzuerhalten."