Was haben Muppet-Show und die Parteitage der Kommunistischen Partei Chinas gemeinsam? Der Jubel des Publikums ist garantiert. Doch während der Applaus in der Welt von Kermit dem Frosch stets im anarchischen Tumult endet, verläuft er in China in streng geordneten Bahnen. Hier herrschen nüchtern-numerische Analysen vor, wie etwa in der Tageszeitung China Daily : "Zhu Rongji umriss die Regierungsbemühungen des letzten Jahres in einem anderthalbstündigen Bericht, der fünfzehnmal durch Applaus unterbrochen wurde."

Der Gleichtakt Tausender Hände ist ein Wunder der Selbstorganisation. Physiker sind ihm nun in rumänischen und ungarischen Opern- und Theateraufführungen auf die Spur gekommen. Ihr Ergebnis publizierten sie jetzt in der Zeitschrift Nature (Bd.403, S. 849). Zunächst zeigt der frenetische Beifall ein chaotisches Muster. Erst wenn sich die einzelnen Zuschauer jeden zweiten Klatscher verkneifen, kann sich der Applaus synchronisieren. Das schwächt zwar den Lärmpegel, intensiviert aber das einzelne Klatschsignal. Schon meint das Forscherteam aus Rumänien, Ungarn und Frankreich, eine neue Art der Selbstorganisation entdeckt zu haben. Zwar agieren auch Schrittmacherzellen im Herzen oder blinkende Glühwürmchenschwärme im Gleichtakt - allerdings ohne zuvor die Frequenz der Signale zu halbieren.

Wer die ausufernde Rhetorik der Kommunistischen Partei Chinas kennt, kann nur zu gut verstehen, dass sich die abertausend Delegierten, die dem chinesischen Ministerpräsidenten andächtig lauschen, öfters mal wachklatschen müssen und sich dabei nicht verausgaben wollen. Also unterlassen sie jede zweite Beifallsbekundung, um die selbst organisierten Wellen des Applauses energiesparend über den Redner branden zu lassen. Der fühlt sich von den Wogen der Volkssympathie getragen, und alle sind zufrieden. Ganz ähnlich geht es mittlerweile auch in fast jeder deutschen Fernsehshow zu, wo das Publikum zwanghaft in synchrones Applaudieren verfällt. East meets west ? Die Selbstorganisation ist ein Hinweis darauf, dass sich auch das gleichgeschaltete Publikum im Studio mühsam wachhalten muss. Ein weites Forschungsfeld tut sich auf.