Allan Meltzer seufzt. "Unser größtes Problem ist die Schwäche des Weltfinanzsystems", sagt der Ökonomieprofessor der Carnegie-Mellon-Universität dann und erklärt zum wiederholten Male, warum die Regierungen dringend den Internationalen Währungsfonds (IWF) reformieren müssen.

Nicht dass er mit diesem Wunsch allein stünde. Längst fordern Politiker vieler Länder einen Wandel der Institution, fast jeder Ökonom hat eine Kritik des Status quo in der Schublade, und alle Jahre wieder hört man den Protest von Gruppen aus aller Welt. Meltzer jedoch hat derzeit mehr Einfluss als andere, er kritisiert im Auftrag des amerikanischen Kongresses. In der vergangenen Woche erst veröffentlichte er in Washington unter großem Applaus eine Studie, in der er das Ende der meisten Kreditprogramme forderte, ein kleinerer Fonds solle künftig vor allem Krisen verhindern. Die Zustimmung vieler Abgeordneter war ihm sicher, und auch der amerikanische Finanzminister Larry Summers freute sich über neue Argumente für einen Umbau des Fonds. Doch das war damals, Anfang der vergangenen Woche.

"Schlechte Gewohnheiten lassen sich nur schwer aufgeben. Sie haben reagiert wie immer - auf die immer gleiche, falsche Weise", kommentiert Allan Meltzer, und deswegen entschlüpft ihm eben mitunter auch ein Seufzer. Von ihm hätte Ecuador keinen Pfennig bekommen, versichert er: "Die Krise in dem Land ist doch politischer Natur, und wir lösen sie nicht dadurch, dass wir mehr Kredite vergeben und damit den Schuldenberg erhöhen. Solche Länder müssen erst Reformen durchführen, dann können wir ihnen auch Geld geben."

Der Professor klingt überzeugend, wie die meisten Kritiker des Fonds. Tatsächlich hat die Institution durch ihre Kreditprogramme die Schulden vieler Länder in den vergangenen Jahrzehnten eher erhöht. Der Lebensstandard ist jedoch in den seltensten Fällen gestiegen. Meltzer kann das mit vielen Tabellen beweisen. Und er belegt noch etwas: In Krisen sind die privaten Gläubiger dank der IWF-Kredite meist mit einem blauen Auge davongekommen. Die Zechen zahlen die armen Länder, in denen der Schuldenberg wuchs. "Wir müssen das amerikanische Finanzministerium künftig davon abhalten, den IWF als private Reserve für spezielle Interessen zu nutzen", fordert der Professor daher. Nie wieder sollen riesige Kredite an Entwicklungsländer verliehen und dann an die privaten Gläubiger ausgezahlt werden können.

Meltzer und seine Kommission haben einen klaren Plan, wie sich so etwas künftig verhindert lässt: Der Währungsfonds solle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren: die Verhinderung und das Managen von Krisen - und daneben bestenfalls noch die Vergabe von kurzfristigen, teuren Krediten an gute Schuldner. So trocken diese Idee klingt, so heftig wäre ihre reale Auswirkung. Sollten sich solche Pläne durchsetzten, würden nach Meltzers Wunsch zwar vielen Regierungen der Dritten Welt alte Schulden gestrichen - eine alte Forderung der Dritte-Welt-Bewegung. Doch zugleich wären die armen Länder künftig von weiteren IWF-Mitteln abgeschnitten. Konkret: Länder wie Ecuador bekämen dann kein Geld mehr.

"Die Hilfe für die ganz Armen kann ja die Weltbank übernehmen. Und die Reicheren können sich schließlich auf dem privaten Kapitalmarkt finanzieren", sagt Professor Meltzer trocken. Schließlich sei die Weltbank viel besser geeignet, Programme für die Entwicklung armer Länder zu konzipieren. Auch das klingt überzeugend, doch wie immer steckt auch hier der Teufel im Detail: Woher soll denn die Weltbank plötzlich die nötigen Mittel nehmen, um als Geldgeber für die Entwicklung von zwei Dritteln der Welt aufzutreten? Auch darüber hat sich der Professor Gedanken gemacht: Erstens solle sich die Bank ebenfalls auf ihr Kerngeschäft und damit auf die armen Länder konzentrieren, "statt China Kredite zu geben". Und zweitens müssten eben mehr Entwicklungshilfe her und möglicherweise auch höhere Zuschüsse der Regierungen an die Weltbank.

"Diese Vorschläge haben nichts mit der Welt zu tun, in der wir leben", sagen die Kritiker des Professors spätestens an diesem Punkt. Welches Land werde denn heutzutage schon die Entwicklungshilfe deutlich erhöhen? Allein der Zwei-Milliarden-Kredit des IWF für Ecuador würde zwei Drittel des deutschen Hilfsetats aufbrauchen. Oder: Warum soll es sinnvoll sein, Ländern wie China mit riesigen armen Gegenden plötzlich keine Kredite mehr zu gewähren? Wieso soll zudem der Fonds nur noch guten Schuldnern zu hohen Zinsen Geld leihen, die bekommen es doch auch anderswo?