Die Zunft der Wettbewerbsökonomen ist gespalten. Und die Politikerzunft auch. Karel Van Miert, der frühere Wettbewerbskommissar der EU, kommentiert die vom Groß-Shareholder Allianz patronierte Übernahme der Dresdner durch die Deutsche Bank entsprechend zwiespältig: Er vermutet eine "Logik" des Gigantischen, die dem Europäischen Binnenmarkt und der Globalisierung innewohne. Im gleichen Atemzug beklagt er den Wandel der Marktwirtschaft zur "Machtwirtschaft".

Frühere Bundesregierungen kannten diese Gefahr. Die damals musterhafte deutsche Fusionskontrolle wurde mit der Begründung eingeführt: "In gesellschaftspolitischer Sicht zerstören übermäßige Ballungen wirtschaftspolitischer Macht die Grundlage unserer freiheitlichen Ordnung.

Politische Demokratie und Marktwirtschaft sind ohne Dezentralisierung der Macht nicht denkbar."

Von dieser Einsicht ist es ein weiter Weg bis zu der flapsigen Bemerkung von Werner Müller, als Bundeswirtschaftsminister zuständig für die Krone der Ordnungspolitik: für Wettbewerbspolitik und Kartellgesetz. Er witzelte: Eigentlich sei "die Wirtschaft nicht für die Kartellbehörden geschaffen worden, sondern umgekehrt" das Kartellamt für die Wirtschaft. Ein grobes Missverständnis. Wettbewerbspolitik ist nicht dazu da, Unternehmen zu beglücken: Vermachtete Märkte mindern die Wohlfahrt und bedeuten Herrschaft nicht nur über Märkte, sondern auch über die Politik.

Da sind die Deutschen im Übrigen traditionell viel weniger empfindlich als die Amerikaner. Heute betreiben Regierung und Gerichte in den Vereinigten Staaten die Zerschlagung des Software-Riesen Microsoft. Das erinnert an das Ende der Macht des Ölmagnaten John D. Rockefeller Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Hierzulande aber finden führende Politiker (außer dem wirtschaftspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle) "nichts Anstößiges" an der neuen Giga-Bank, die obendrein mit der Allianz verflochten bleiben soll. Und wer kann sich noch mit diesem Konzern anlegen!

Die Gesetzesinitiative von Finanzminister Hans Eichel, Unternehmen wie die Allianz - dauerhaft, nicht etwa nur befristet - von der Besteuerung der Erträge aus dem Verkauf von Beteiligungen völlig zu befreien, ist ein in diesem Ausmaß unnötiger und dauerhaft wirksamer Beitrag der Politik zum Schacher mit Unternehmen im Zeichen von Shareholder-Value.

Viele Großfusionen scheitern aber, und bei Banken ist die Fehlerquote signifikant hoch. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat 104 Unternehmenshochzeiten in Europa untersucht. Bei 63 stieg die Profitabilität, bei 41 verschlechterte sie sich höchst offen also die Aussichten auf Synergieeffekte und Skalenerträge, sprich: sinkende Durchschnittskosten.