Dieses Jahr fiel der Aschermittwoch auf den Donnerstag - für die Aktionäre der Deutschen Bank. Noch bis Mittwoch vergangener Woche feierten sie Karneval. Die Fusion mit der Dresdner Bank beschleunigte den Kursaufschwung der Deutschen-Bank-Aktie, die damit ihren Börsenwert binnen Jahresfrist verdoppeln konnte. Dann kam der Absturz. In wenigen Stunden lösten sich die stolzen Zuwächse der ersten Monaten des Jahres in Nichts auf.

Die Schiedsrichter des Aktienmarktes, die Analysten, hatten plötzlich den Daumen über den deutschen Branchenprimus gesenkt.

Experten der Commerzbank, der holländischen ABN Amro und anderer Finanzhäuser änderten ihre Empfehlungen von "kaufen" auf "halten". Die Investmentbank SBC Warburg, eine Tochter der schweizerischen UBS, rief sogar zum Verkauf auf.

"Die Deutsche Bank zahlt zu viel für die Dresdner", resümiert Michael Klein vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Andererseits würde das Bankhaus seine lukrative Fondstochter DWS zu günstig an die Allianz abgeben. Der Versicherungsgigant, der sich auch noch die Assekuranztochter Deutscher Herold unter den Nagel reißen kann, sei, da sind sich viele Analysten einig, der eigentliche Gewinner der Bankenhochzeit.

Britta Graf von der französischen BNP Paribas erklärt den Kurseinbruch vor allem mit der wachsenden Reife der Börsianer. "Die Anleger haben aus den negativen Erfahrungen bei den Fusionen der HypoVereinsbank und der schweizerischen UBS gelernt." Daher ist auch die Ende Februar aufgeflammte Euphorie wegen der damals verkündeten Internet-Strategie des Branchenprimus verflogen. Damals gab es viel Applaus dafür, dass die Deutsche Bank nun Internet-Portale für das Wertpapiergeschäft aufbauen und zusammen mit SAP vom wachsenden Internet-Firmengeschäft (B2B) profitieren will. Mit ihrer Internet-Strategie könne die Deutsche Bank neue Marktanteile erobern, bescheinigte die HypoVereinsbank in einer Studie. "Das Internet propagieren alle", sagt dagegen Oliver Pfluger vom Bankhaus Lampe, der "nicht viel Konkretes" in der Ankündigung entdecken konnte. "Dem Internet darf man nicht zu viel Bedeutung beimessen", pflichtet Michael Klein vom Bankhaus Sal.

Oppenheim bei. Andere Kritiker beurteilen die Ankündigung, mit AOL, SAP und anderen namhaften Internet-Spezialisten zusammenarbeiten zu wollen, "als reine Effekthascherei".

Bei der Frage, ob der Sturz tief genug war und wie es nach dem Ascherdonnerstag der Deutschen Bank weitergeht, sind die Analysten sich nicht einig. "Nicht nachvollziehbar", sagt Ralf Dibbern vom Bankhaus M. M. Warburg zum Ausmaß des Kurseinbruchs. Die Motoren, die den Höhenflug bislang angetrieben hätten, würden nach wie vor auf Hochtouren laufen: die Konzentration der Deutschbanker auf das lukrative Investmentbanking und die Internet-Strategie. Unverständlich sei, so Dibbern, dass die Aktie inzwischen auf das Niveau vor Ankündigung der Eichelschen Steuerpläne zurückgefallen sei, obwohl die angekündigte Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe weiterhin gelten würde. Auch für Michael Klein überwiegen die positiven Argumente, weil die Bank durch die Fusion den Investment-Giganten Goldman Sachs, Merrill Lynch oder Morgan Stanley besser Paroli bieten könne.