Jerusalem/Rom

Wenn Johannes Paul II. nächste Woche ins Heilige Land fliegt, dann kommt er nach eigenem Bekunden als Pilger. Dennoch bleibt seine Wallfahrt ein Politikum höchsten Ranges. Wie könnte es auch anders sein, wenn ein Papst zum ersten Mal offiziell israelischen Boden betritt? Diplomatische Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem jüdischen Staat gibt es erst seit sechs Jahren.

Das Terrain ist noch so frisch, dass jeder Schritt des Papstes tiefe Spuren hinterlassen wird.

Seine Vorgänger waren noch auf ganz anderen Pfaden gewandelt. Als Theodor Herzl im Jahre 1904 Pius X. um Unterstützung für sein zionistisches Projekt in Palästina bat, erhielt er eine Abfuhr: "Die Juden haben unseren Herrn nicht anerkannt. Deshalb können wir auch das jüdische Volk nicht anerkennen.

Wenn Sie nach Palästina gehen und Ihr Volk dort etablieren, wollen wir mit Kirchen und Priestern bereit stehen. Bereit, um Sie alle zu taufen." Auch die Gründung des Staates Israel und seine Anerkennung durch die Vereinten Nationen änderten an dieser Haltung nichts.

Aus den "Gottesmördern" wurden die "älteren Brüder"

Erst mit der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfuhr das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum eine grundsätzliche Wende: Das 1965 veröffentlichte Dokument Nostra Aetate verneinte eine jüdische Kollektivschuld für den Tod Jesu und verwarf den Missionsgedanken