Er hatte sich vornehm zurückgehalten, wollte nur mit starkem Rückenwind ins Rennen um den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) einsteigen, jetzt steht die Tür für Horst Köhler weit offen. Nachdem die Europäer ihn am Montag einmütig zu ihrem Kandidaten gekürt hatten, stimmte Stunden später auch Präsident Bill Clinton zu. Und wenn sich Köhler dieser Tage dem IWF-Direktorium präsentiert, ist die Sache bereits gelaufen: Erstmals gelangt ein Deutscher an die Spitze der wichtigsten internationalen Währungsinstitution.

Mit Köhler wird ein Banker mit internationaler Erfahrung nach Washington gehen, er ist schließlich seit 19 Monaten Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London. Sie finanziert die Transformation der ehemals sozialistischen Volkswirtschaften, arbeitet dabei aber wie eine Geschäftsbank rentabel. Der zuvor abgelehnte deutsche Kandidat Caio Koch-Weser hatte seine Karriere in der Weltbank gemacht, die sich hauptsächlich in den Ländern der Dritten Welt engagiert - mit Steuergeldern, wie es in Washington missbilligend heißt. Ein Mann aus diesem Stall passte nicht zur amerikanischen Absicht, den IWF konzentriert im Kampf gegen Währungskrisen und akute Zahlungsbilanzprobleme zu nutzen und nicht langfristige Kredite in marode Volkswirtschaften zu pumpen.

Der 57 Jahre alte Köhler war lange ein Mann im Hintergrund. Er arbeitete Gerhard Stoltenberg zu, als der Ministerpräsident in Kiel war. Nach der Wende 1982 ging er mit nach Bonn, wurde Abteilungsleiter im Finanzministerium und schließlich Staatssekretär unter Theo Waigel. Köhler - nicht Minister Waigel - war (zusammen mit Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer) die entscheidende Kraft bei der Vorbereitung der Europäischen Währungsunion. Auch den europäischen Stabilitätspakt formulierte er entscheidend mit.

Nach außen von unerschütterlicher Freundlichkeit, zurückhaltend in der Selbstdarstellung, in der Sache stets hart - so haben Verhandlungspartner und Kollegen den promovierten Ökonomen kennen gelernt. Gewiss, deutsches Personal für internationale Führungsaufgaben ist dünn gesät. Aber dass ein SPD-Kanzler einen CDU-Mann aus der abgetretenen Kohl-Mannschaft für höchste Weihen präsentiert, deutet darauf hin, dass der Auserwählte beachtliche Qualitäten hat.