Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages will Horst Weyrauch schweigen, das gab der ehemalige Finanzberater der CDU vor wenigen Tagen bekannt. So werden die Parlamentarier, die den Spendenskandal der Union erforschen sollen, wieder einmal ein kleines Teil des großen Affärenpuzzles nur der Presse entnehmen können: Horst Weyrauch, der heimliche Regent im Reich der CDU-Sonder- und -Anderkonten, kannte den inzwischen mit internationalem Haftbefehl gesuchten Waffenhändler Karl Heinz Schreiber nicht nur flüchtig, wie man bisher hatte annehmen können - nein, er war mit dem Industrieexperten für die politische Landschaf tspflege auch befreundet.

Nach dem ersten bereits bekannten Treffen der beiden Finanzjongleure im schweizerischen St. Magarethen, bei dem Schreiber Weyrauch die Kiep-Million übergab, habe man sich noch mehrere Male in der Schweiz getroffen, bestätigten Weyrauch und Schreiber der ZEIT Anfang der Woche - zu "freundschaftlichen Besuchen", bei denen es, so Weyrauch, ausschließlich um den gemeinsamen Genuss von Kaffee, Wein und Kuchen gegangen sei. "Ich führe zwar kein Tagebuch oder Notizbuch wie andere Leute", sagt Weyrauch heute, "aber wir haben uns in den Jahren nach 1991, vor allem 1998 und 1999, mehrmals in der Schweiz getroffen."

Auch sein Freund Schreiber erinnert sich gut. "Weyrauch und ich haben uns öfter in der Schweiz und auch anderswo, zum Beispiel in Bonn, getroffen", sagt er in seinem Exil in Toronto. Der abgängige Geschäftsmann berichtet über mindestens sieben weitere Begegnungen in der Schweiz.

Ging es wirklich nur um Kaffee und Kuchen? Horst Weyrauch hat keinen Anlass, sich selbst zu belasten ebendies ist die Begründung, mit der er in der vergangenen Woche seine Aussageverweigerung vor dem Ausschuss ankündigte.

Schaden durch die eigenen Aussagen würde dem Steuerberater vor allem dann drohen, wenn er doch tiefer in den Parteispendenskandal verstrickt wäre, als bisher bekannt ist.

Dafür wiederum gibt es zwar keinen Beweis, aber neue Indizien: Vor drei Wochen legten Unterlagen des Schweizerischen Bankvereins umfangreiche Barabhebungen Schreibers offen. Zwischen dem Herbst 1991 und dem 22. Juni 1994 hob Schreiber vom Konto Nummer 18 679 der International Aircraft Leading LTD (IAL), das die Staatsanwaltschaft Augsburg ihm zurechnet, in 18 Tranchen von jeweils 100 000 oder 200 000 Mark insgesamt 3,4 Millionen Mark ab. Nicht enthalten ist in dieser Summe die Kiep-Million.

Vergleicht man die Reisetätigkeit von Weyrauch im Jahr 1992 mit den Barabhebungen von Schreiber, stößt man auf Auffälligkeiten, die vielleicht so zufällig nicht sind. Am 22. September 1992 ist Weyrauch in Zürich, wie sich aus einem Übernachtungsbeleg ergibt. Tags darauf, am 23. September, erscheint Schreiber und lässt sich 200 000 Mark auszahlen. Am 18. November 1992 hob Schreiber 300 000 Mark ab. Kurz darauf, am 26. November, tauchte wiederum auch Weyrauch in Zürich auf. Am 17. Dezember betrug die Auszahlung vom IAL-Konto 100 000 Mark. Knapp zwei Wochen später erscheint aufs Neue Weyrauch in Zürich. Ähnliche Auffälligkeiten ergeben sich für das Jahr 1991.