So ein zärtlicher Film. Es gibt darin: einen Pitbull, eine Pistole und eine der Cités, so wie sie eben sind - übler Sozialbeton um Paris herum. Der Pitbull: die Mädchen sagen, ach wie schön. Der Hund gehört dem Hauptmädchen des Films. Aber nicht mehr lange. Ein paar Jungs, die herumhängen wie die Alten, wollen das Tier als Kampfhund verscherbeln. Sie klauen es. Die Pistole: das Mädchen braucht jetzt eine. Sie steckt sie zwischen Jeans und Bauch, sie hat sie von einem der Jungen bekommen. Das war ein Liebesdienst, so wie der ganze Film einer ist, nämlich an Kindern, die nicht mehr klein sind, und an einem Mädchen, das kämpfen kann, weil sie es immer schon musste.

Die Jungs nennen sie Tyson, dabei heißt sie Talia und bringt die Petits Frères schneller ins Wackeln als gedacht. Das Zärtliche daran: vorne wird noch gekämpft, hinten schon geliebt. Ein Ring wird wie eine Nebensächlichkeit zugesteckt. Jacques Doillon, der sensible, aber unsentimentale Regisseur, ist sagenhaft gut in solch kleinen Gesten. Er ist gut im Vertrauen-Haben, im Dabeisein-Dürfen und Kinderspielen-Lassen. Die Kamera gehört zur Clique und hält locker das Tempo. Mal geht es Hieb auf Hieb, mal sachte. Dealer, Verzweiflungstaten, Pistolendrohungen, schlimme Väter, große harte Brüder - und am Ende doch ein Märchenfest.