Das Personal, mit dem Cornelia Arnhold, in Frankfurt am Main beheimatete, heute in Berlin lebende Autorin, ihren ersten Kriminalroman beschickt, einen zwischen ebendiesen Metropolen der Hochleistungskriminalität angesiedelten Nachwendekrimi ganz eigener Art, wächst einem im Nu ans Herz. Da ist, vorneweg, Rififi, bürgerlich Rosemarie Feodora Luise, einst "schönster Körper der Studentenbewegung" genannt. "Alles war ja Bewegung damals. Wer zweimal mit demselben pennt ... Kannste auch 'n Hunni dafür nehmen, hatte sie sich gedacht." Auf dieser Grundlage hat sich Rififi gemeinsam mit Udo eine nicht unkomfortable Existenz geschaffen. Rif und Udo, bei allen Demos waren sie damals in vorderster Reihe zu finden gewesen, "mit diesem wundervollen Gefühl im Körper: Uns gehört die Welt, die Zukunft und die Revolution in Ewigkeit.

Amen." Schöne Zeiten.

Doch nun ist ein Ende der Ewigkeit absehbar. Udo mit dem fein geschnittenen Gesicht, der "lieber für einen Engländer als für einen Zuhälter" gehalten werden möchte und inzwischen nichts mehr fürchtet als Komfortverzicht, denkt an die Einrichtung eines "Nostalgiepuffs, so 'ne Art Disneyland der 70er, WG-Atmosphäre", Rififi aber hat entschieden die Nase voll ("Im Ernst, Udo, das wird alles immer perverser") und träumt vom Rückzug in den Ruhestand. Da trifft es sich gut, dass sie vom verstorbenen Kommunistenonkel in Ostberlin eine alte Villa erbt.

Die kann zwar kaum noch auf den eigenen Mauern stehen, aber für Cornelia Arnholds ostwestliche Krimiskizze gibt sie einen wunderbaren Schauplatz ab.

Auf dem ist inzwischen auch Arkadiusz erschienen, ein arbeitsamer polnischer Riese, den Rif unterwegs in Udos zweckentfremdeten Jaguar geladen hat und der sich mit Begeisterung an der pittoresken Bruchbude zu schaffen macht wie alsbald natürlich auch am ehedem schönsten Körper der Revolution. Arkadiusz serviert Rif ("Chef, guck mal!") eines Morgens auf der flachen Hand ein Ding, das er gerade im Garten ausgebuddelt hat und das einem Totenschädel verdammt ähnlich sieht. Womit sich ganz sacht die Krimihandlung einschleicht, die man bis dahin noch gar nicht vermisst hat, weil Cornelia Arnhold so amüsant frech und locker vom Hocker erzählt, dabei den Charakterzügen ihrer schrägen Typen mit so viel Liebe zum entlarvenden Detail nachspürt, dass man schon gefesselt in den Zeilen hängt, ehe sich Mord und Totschlag am Horizont überhaupt abzuzeichnen beginnen.

Sie haben alle ihre Macken im Kopf und ihre Leichen im Keller, die sich da in und um Onkels Villa herum über den Weg laufen, wie bei einem von höherer Stelle nach Maueröffnung arrangierten deutschen Klassentreffen. Udo, der sich mit verhauenem Gesicht aus Frankfurt, wo jetzt Typen ganz anderen Schlages am Ruder sind, zu Rififi geflüchtet hat, versteht sich in Geschäften auf Anhieb mit dem ortsansässigen, in Seide gewandeten Wendegewinnler Gregor. Wir sind ein Völkchen. Ewa, die mal eine DDR-Schwimmhoffnung war, sitzt heute an der Kasse der Schwimmhalle, und die unzugängliche, mehrfach ausgezeichnete "Verdiente Künstlerin des Volkes" im zweiten Stock hat im Atelier ganz andere Bilder als die einst von Staats wegen genehmen ...

Cornelia Arnhold schaut ihren Figuren ganz tief in die Augen und beschreibt sie mit einer sanften Ironie, die alle Schwächen offen legt, die liebenswerten wie die schwer erträglichen, aber niemals denunziert. Und immer Platz lässt für die Wunden und Verletzungen, die sich hinter der Fassade offenbaren.