Im Handbuch der Bundeswehr und der Verteidigungsindustrie, der Bibel der Rüstungslobbyisten, steht ein denkwürdiger Satz: "Behörden haben einen anderen Arbeits- und Entscheidungsrhythmus als Unternehmen der freien Wirtschaft."

In der Praxis wirkt sich das dann beispielsweise so aus: 1988 wurden an drei Mörserrohren der Bundeswehr Risse festgestellt. Mörser sind eine kleine Artilleriewaffe der Infanterie. 1992, nach jahrelangen Untersuchungen, sperrte der Heeresingenieur alle Mörserrohre für die weitere Nutzung. Doch erst 1998, ein Jahrzehnt nach Entdeckung der Risse, bekam die Armee neue Mörser. Allein fünf Jahre vergingen, bis der Vertrag mit den Waffenschmieden unterzeichnet war, ein weiteres Jahr verstrich bis zur Lieferung der Mörser.

Mit solcher Bummelei will Verteidigungsminister Rudolf Scharping nun Schluss machen.

Der Sozialdemokrat lässt sich vom Beratungsmulti McKinsey helfen - ein Ende der Gemütlichkeit deutet sich an. Entsprechend nervös sind die Untergebenen.

Vor allem die beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB), dem Auftraggeber der Rüstungsindustrie. Das BWB in Koblenz ist eine Riesenbehörde mit 14 300 Mitarbeitern und unzähligen Richtlinien, Anweisungen, Formularen, an die sich jeder strikt zu halten hat. Ein Hort der Langsamkeit. "Entdecken Sie vor Ihrer ersten Begegnung mit einem Behördenbeauftragten zunächst dessen Arbeitsumfeld", rät das Handbuch der Bundeswehr. Ein guter Tipp: Industrievertreter berichten, dass es oft unmöglich sei, im BWB den zuständigen Mann für die Beschaffung von Material zu finden. Zumal vieles in Arbeitsgruppen entschieden wird - möglichst einstimmig, was wiederum sehr viel Zeit kostet.

Noch allerdings droht der Minister nur. Angeordnet hat sein Amt bisher nichts. "Ohne schriftliche Weisungen machen die in Koblenz weiter wie immer", spottet ein Spitzenmanager. "Scharpings Botschaft höre ich wohl, allein es fehlt der Glaube."

Beim Outsourcing scheint der Minister schneller voranzukommen: Ende vergangenen Jahres hat er mit 33 Firmen vereinbart, dass sie der Bundeswehr künftig Aufgaben abnehmen - zum Beispiel den Betrieb von Computernetzen. In dieser Woche kommen weitere 87 Firmen hinzu. Immerhin ein Anfang.