Zurück zur Tagesordnung. Die Rebellen der amerikanischen Politik, John McCain und Bill Bradley, haben ihren Kampf verloren. Die Journalisten langweilen sich. Denn nun drohen 35 Wochen Wahlkampf zwischen Vizepräsident Al Gore und dem texanischen Gouverneur George W. Bush - eine Perspektive, die niemanden begeistert. Schon prophezeit das Nachrichtenmagazin Newsweek, bald werde die kollektive Fernbedienung der Bürger diese langweiligen Figuren ganz einfach vom Bildschim wegzappen: Klick und Ende des Wahlkampfes, bevor die Schlacht überhaupt so richtig begonnen hat.

Trübe Aussichten also für die Politik? Tatsächlich spielt das Land, das den ökonomischen Wandel freudig begrüßt wie kein anderes, politisch zur Zeit auf Nummer sicher. Das Signal der Vorwahlen ist eindeutig: keine Experimente! Die beiden Gewinner der Vorrunde stehen für Tradition. Beide stammen aus politischen Dynastien, beide sind wie Kronprinzen für ihre künftige Aufgabe erzogen worden. Beide werden vom Establishment ihrer Parteien unterstützt, und keiner von ihnen ist bisher durch revolutionäre Ideen aufgefallen.

Doch damit enden die Gemeinsamkeiten: Politisch trennen die Rivalen Welten, und das könnte schließlich doch noch für Spannung sorgen. Während Bush das Steuersenkungsdogma der Republikaner verteidigt, kämpft Gore für die bessere Krankenversorgung von Millionen unversicherter Bürger. Bush ist gegen die Kontrolle von Schusswaffen, Gore dafür. Bush lehnt Abtreibungen ab, Al Gore will Frauen bei dieser Frage das Recht der freien Entscheidung lassen. Sollte der Vizepräsident in den kommenden Wochen zudem noch für eine Reform der Wahlkampffinanzierung eintreten, dann dürften sich die beiden Kontrahenten in den kommenden Monaten kontroverse Debatten zuhauf liefern.

Und noch etwas spricht für einen spannenden Wahlkampf: Zwar wollen die Kandidaten selbst bis zum Wahltag im November öffentlich als Saubermänner dastehen, doch ihre Hintermänner werden den Gegner rücksichtslos mit Schmutz bewerfen. "Wie Viktorianer im Bordell" würden sich die Kandidaten benehmen, prophezeit ein Kolumnist. Das wird zwar die Politikverdrossenheit nicht mildern. Für ein paar knallige Schlagzeilen sorgt es aber allemal: Zurück also, zur Tagesordnung.