Am Anfang lagen Nebel über dem Tollensee. Dann kamen Puppenspieler aus Wittenberg und Berlin und gründeten im mecklenburgischen Hinterwald das Staatliche Puppentheater Neubrandenburg. Das ist 24 Jahre und einen Systemwechsel her. Das Kammertheater, wie sich die 26-köpfige Truppe 1994 nach ihrem Umzug in das barocke Comoedienhaus des strelitzschen Herzogs Adolf Friedrich IV. nannte, wurde zum Glücksfall im Nordosten. Mit kleinformatiger Verwaltung und weitgehend aufgehobener Arbeitsteilung zwischen Künstlern und Technikern gelang es, Theatergold aus den Köpfen aller Mitmacher zu kratzen.

Pfade des Eigensinns durch die MacGegenwart erkundeten die Kammermenschen nicht bloß im Kinderzirkus der fliegenden Kuscheltiere. Die Puppen tanzten auch für die Großen, Feuerwerkstheater und Schauspiele kamen hinzu. "Eine kleine Hausmusik" erklang im Plattenbau am Meer, das auf der Bühne lag.

Shakespeares Sturm tobte im Salon eines Grandhotels Abgrund. Trauerarbeit über die verlorene Heimat DDR war immer dabei. Auf internationalen Festivals sammelte die Truppe Preise. Aber: Glück in der Welt - Unverständnis zu Hause.

Weil das Geld im Stadtsäckel fehlt, wird das Kammertheater im Sommer mit dem Landestheater Neustrelitz und der Philharmonie Neubrandenburg zu einem Kombinat fusioniert. Der Apparat kehrt zurück. Aus dem Ende des Experiments wächst nur Vergangenheit, keine Zukunft. "Verstört nicht euren Sinn / Mit Untersuchung / Wie seltsam all dies ist" (Shakespeare, Der Sturm).