Schon der Firmenname weckt Träume. Broadwood - das sind nicht einfach Klaviere. Wer Broadwood hört, sieht vor dem inneren Auge in Messing gestanzte Lettern auf leuchtendem Intarsiengrund. Oder Bilder aus The Piano, Jane Campions Kinofilm, in dem ein Broadwood, ein englisches Hammerklavier, mitten im Dschungel zur Metapher wird für weiblichen Widerstand und Protest, für eine Liebe jenseits aller kolonialen Konventionen. Unvergesslich, wie das Instrument seine gedrechselten Füße zu Beginn voller Trotz in den exotischen Sandstrand bohrt

noch unvergesslicher, wie es auf der Rückfahrt über Bord geht und einer Schatztruhe gleich auf den Meeresgrund sinkt. Dazu dieser Klang aus Hellem und Dunklem, aus Bodenständigkeit und vorsichtiger Eleganz, der alles Nähmaschinenhafte, notorisch Geklöppelte der Vorgängermodelle im Nu vergessen lässt.

Schade nur, dass Jane Campions Heldin auf ihrem Klavier nicht John Field spielt! Keine Musik wäre geeigneter gewesen als seine, das Eigene im Fremden zu behaupten: Verwurzelt in der Tradition (der Ire Field war Schüler von Muzio Clementi in London und Liebling der St. Petersburger Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts), tastet sie früh nach dem Andersartigen, Unerhörten. Field war ein großer Neugieriger, ein Wanderer zwischen den Welten bald nach Mozart. Und ist uns bis heute, im Schatten Beethovens, ein großer Unbekannter geblieben.

Der Pianist Andreas Staier und das Concerto Köln unter David Stern entdecken allerdings nicht nur den Komponisten und Virtuosen John Field neu. Die Einspielung seines zweiten und dritten Klavierkonzerts (Teldec 3984-21475) auf einem Broadwood zeigt vor allem, wie stark diese Musik aus ihrem Humor lebt. Manchmal führt sie den Hörer regelrecht an der Nase herum: Die Läufe prasseln, als wollten sie die Klaviatur förmlich sprengen, die Sätze sind entweder sehr lang oder sehr kurz, die Rhetorik ist minutiös ausgefeilt - ja, oft reden Orchester und Solopart wie aus Rollenbüchern miteinander. Seht her, sagt die Musik, ich kann viel und noch viel mehr, aber ich meine das alles nicht so ernst.

Im dritten sind wie in einigen anderen Konzerten Fields keine langsamen Sätze überliefert. Hier behilft sich Andreas Staier mit dem seinerzeit legendären c-moll Nocturne des Iren. Frédéric Chopin, der Meister der improvisatorischen Anmutung, beschrieb dessen Sprache einst als "schmeichelnd, wie ein bewegter thränenfeuchter Blick ..." Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Lange bevor die Bilder - lachend, weinend - laufen lernten.