Typisch Peter Dussmann! An die 220 Millionen Mark hat er in die Zentrale seines Dienstleistungsunternehmens in der Berliner Friedrichstraße investiert, mangels passender Mieter belegte er die fast 5000 Quadratmeter Ladenfläche mit einem Kulturkaufhaus, das Bücher, Videos, CDs und Software anbietet. Jetzt kam der krönende Abschluss: eine Kaskade über 30 Meter, inspiriert vom New Yorker Trump Tower. Mit seinem Kulturkaufhaus sorgt Dussmann, gelernter Kaufmann im Buchhandel, regelmäßig für Unruhe im Einzelhandel der Hauptstadt. Es ist wochentags von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends geöffnet. Da nach acht nur Führungskräfte arbeiten dürfen, machte Dussmann kurzerhand 25 der 100 Mitarbeiter zu Prokuristen und beteiligte sie mit fünf Prozent am Abend-Umsatz. Der Erfolg gibt ihm Recht, die Stunden nach Büroschluss sind beliebt bei der Kundschaft. Die Kasse stimmt. 1999 lag der Umsatz bei 35 Millionen Mark, und dass das "Kind der Not" (Dussmann) schon im zweiten Jahr einen Gewinn abwirft, hätte selbst der notorische Optimist nicht geglaubt. Jetzt verhandelt er mit der Stadt Wien über die Eröffnung einer Niederlassung nach dem Berliner Konzept.

Eigentlich wäre die Dussmann-Gruppe mit einem weltweiten Umsatz von 2,1 Milliarden Mark (1999) und 57 000 Mitarbeitern reif für die Börse. Aber der Alleineigentümer müsste dann seine Bücher öffnen und die Ertragslage publizieren. Und vielleicht würden es die Aktionäre gar nicht goutieren, wenn er der klammen Berliner Staatsoper mal schnell 360 000 Mark für ein Bühnenbild spendiert oder "Berlins größten Wasserfall" andreht. Wer will dem Schwaben übel nehmen, dass er im Eifer das Gewässer übersah, das vom Kreuzberg im gleichnamigen Bezirk herabstürzt. Höhenunterschied: 66 Meter.