Mitunter ist selbst die Theologie eine Frage der Grammatik. Wer das historische Schuldbekenntnis des Papstes würdigen möchte, muss nach beidem fragen - nach dem Akkusativ und nach dem Nominativ.

Zum Akkusativ: Wofür hat der Papst sich entschuldigt? Für Sünden in der Vergangenheit der Kirche. Wie konkret oder vollständig er sie beim Namen genannt hat, darüber mag rechten, wer will. Die liturgisch gebundene Sprache formuliert nun einmal anders als ein Strafregister-Auszug. Wer verstehen wollte, konnte verstehen - vor allem die Zeichen dafür, dass es dem Papst selbst ganz ernst war mit dem Mea Culpa.

Indessen der Nominativ: Wer hat sich schuldig gemacht? Da wurden die Antworten mitunter schwer verständlich - und zugleich schwer erträglich.

Einige Christen, nicht wenige Christen - und so weiter beim Versuch, einiges und nicht weniges einzugestehen, ohne dabei die Kirche selbst verantwortlich zu machen. Doch was soll dieser Versuch eines auf den Kopf gestellten "Minderheitsschutzes", eines Schutzes der Kirche vor ihren schuldigen Minderheiten? War es doch in bestimmten Phasen der Kirchengeschichte gerade die Mehrheit, wenn nicht gar die Gesamtheit des Klerus und der Gläubigen, die schuldhaft falsch gepredigt, gehört und gehandelt hatte.

Nach den Regeln der theologischen Grammatik blieb dieses Mea Culpa leider im Nominativ schuldig, was es im Akkusativ, in der Beschuldigungsform, nahe gelegt hatte.