Wer erinnert sich an Ruth Hammerbacher? An Regina Michalik oder Christine Weiske? Namen, die keiner mehr kennt. Alle drei sind irgendwann einmal Parteisprecherinnen der Grünen gewesen - eine biografische Auffälligkeit, die sie mit zwei Dutzend weiteren BürgerInnen dieses Landes teilen. Insgesamt 27 Sprecher haben die Grünen seit 1980 verbraucht. Die meisten tauchten auf aus völliger Anonymität und machten eine Weile den Job, der bei anderen Parteien Vorsitzender heißt. Dann verschwanden sie wieder in dem ungewissen Dunkel, aus dem sie herausgetreten waren. Und keiner vermisste sie. Warum auch? Die nächsten KandidatInnen standen immer schon bereit. Und die Wahlchancen der Grünen beeinträchtigte die haarsträubende Personalpolitik an der Parteispitze auch nicht. Bis in die mittleren neunziger Jahre ging es schließlich - grosso modo - immer nur bergauf.

Doch jetzt geht es bergab, und die Panik der Grünen ist groß. Effiziente Strukturen müssten endlich her, fordern die einen. Ob die Partei denn jemals in ihrer langen Bewegungsgeschichte wegen ihrer Organisation gewählt worden sei, fragen die anderen. Von drögen Statutenfragen hänge die Zukunft des grünen Projekts doch nun wirklich ganz zuletzt ab.

Beide Seiten haben Recht. Und auch wieder nicht. Die Sache ist dialektisch.

Gegründet als politischer Aktionsausschuss eines breiten gesellschaftlichen Stroms von Friedens-, Umwelt- und Frauenbewegungen in den siebziger und achtziger Jahren, brauchten sich die Grünen um charismatische Frontleute oder Strukturen keine Gedanken zu machen. Grünsein war eine Haltung, geradezu ein Lebensgefühl der Strukturlosigkeit. Doch heute ist dieses Gefühl so tot wie Elvis. Jetzt fehlen der Partei genau jene Strukturen, die ihr auch in bewegungsloser Zeit zu Stabilität und institutioneller Kontinuität verhelfen könnten. Was einst den Erfolg ausmachte, beschleunigt heute den Niedergang.

Es ist spät geworden für die Grünen. Aber wer weiß. Es gibt ja auch Leute, die sagen, sie hätten Elvis gesehen. Lebendig.