Ein Kanzler im Glück. Deutschland hat seine Bewährungsprobe auf der internationalen Bühne bestanden, Europa ist auch politisch weiter zusammengewachsen, und die Amerikaner geben erstmals ihren europäischen Partnern nach. Der Streit um den Chefsessel beim Internationalen Währungsfonds ist endlich entschieden, der Bundesbürger Horst Köhler wird dort Platz nehmen. Also Ende gut, alles gut. Oder?

Natürlich darf sich Bundeskanzler Gerhard Schröder über seinen außenpolitischen Erfolg freuen. Er hat sich in Europa durchgesetzt und auch gegenüber den USA. Das verdient Applaus. Doch auf dem Weg dahin haben auch die Deutschen zu viele Fehler gemacht und Freunde leichtfertig verprellt. An den transatlantischen Verstimmungen tragen der Kanzler und seine Berater ein gerüttelt Maß Schuld. Es wäre daher klug, er würde jetzt mit seinen Partnern offen über die Fehler sprechen - schon um beim nächsten Konflikt ein ähnliches diplomatisches Desaster zu vermeiden.

In mindestens drei Punkten, so lehrt diese Erfahrung, müssen die Deutschen ihre außenpolitische Strategie verbessern. Erstens: Die Kommunikation mit den Vereinigten Staaten gehört sofort auf den Prüfstand. Da ist von Anfang an alles schief gelaufen. Überhaupt: Die amerikanische Regierung hat am Ende der Ernennung des deutschen IWF-Chefs nicht etwa aus Überzeugung zugestimmt, sondern nur, weil Bill Clinton die Beziehungen zu Berlin nicht weiter belasten wollte. Die beiden Länder werden also auf eine neue Art das Gespräch suchen müssen - nicht nur, um Missverständnisse zu vermeiden, sondern vor allem, um zu Übereinstimmung in der Sache zu kommen.

Zweitens: Deutschland braucht eine Elite für internationale Aufgaben. "Wo sind denn die klugen deutschen Kosmopoliten?", war in Washington in den vergangenen Tagen oft zu hören, nicht ganz zu Unrecht. Tatsächlich hat die Bundesrepublik hier den Anschluss verpasst. Zudem: Eine Regierung, die personell mehr Verantwortung in der Welt übernehmen will, sollte nicht nur geeignete Führungspersonen präsentieren können, sondern dies auch mit Ideen und Konzepten verbinden. Auch daran mangelt es.

Drittens: Deutschland darf nicht das Verhalten kopieren, das es den Vereinigten Staaten anlastet. Einige Europäer werfen der Bundesregierung Arroganz vor, da die Auswahl des IWF-Kandidaten weitgehend unter Ausschluss der kleineren Mitglieder stattgefunden habe. Der europäische Gedanke verlangt aber gegenseitige Rücksichtnahme. Deutschland, ein europäischer Yankee - dieser Ruf kostet Sympathie und politischen Einfluss. Will Schröder seinen Sieg zu einem wirklichen Gewinn für Deutschland und Europa machen, dann muss Berlin schnell aus seinen Fehlern lernen.