Den 13. März werden viele Anleger so schnell nicht vergessen. Wut und Enttäuschung machten sich breit, weil ein Großteil der Kleinanleger, die Aktien des Halbleiterproduzenten Infinion geordert hatten, beim Börsengang nicht zum Zuge kamen. Der Ansturm auf die Anteile der Siemens-Tochter war so gewaltig, dass die neuen Aktien per Losverfahren verteilt werden mussten. Nicht nur Technologie-Experten, auch Hausfrauen und Rentner hatten sich an den Bankschaltern gedrängt.

Früher waren den Kleinanlegern die Lebensversicherung, das Sparbuch und der Bausparvertrag heilig - heute investieren sie ihr Erspartes an der Börse. Mehr als fünf Millionen Deutsche besitzen bereits Aktien. Der Wert: mehr als 500 Milliarden Mark. Und die Entwicklung der vergangenen Jahre scheint ihnen Recht zu geben. Wer von 1980 bis Ende 1999 monatlich hundert Mark in einen Fonds mit deutschen Standardaktien einzahlte, kassierte insgesamt 117 017 Mark. Eine Kapitallebensversicherung hätte im gleichen Zeitraum nur 46 634 Mark erbracht. Das Problem: Die Aussicht, schnell reich zu werden, vernebelt die alte Erkenntnis, dass die Börse keine Einbahnstraße ist.

Investmentfonds bedienen alle: Zocker und Zaghafte

Ohne Zweifel eignen sich Aktien vor allem für risikobereite Anleger, die nicht auf das Geld angewiesen sind. Wer das Risiko streuen will, sollte nicht direkt in einzelne Aktien einsteigen, sondern auf Aktienfonds setzen. Anleger, die ihr Spargeld in Fonds stecken, investieren nicht in einzelne Wertpapiere, sondern in einen Wertpapiertopf. Dieses Vermögen wird von Fachleuten, den Fondsmanagern, verwaltet, die dem Anleger die mühsame Auswahl der einzelnen Papiere abnehmen. Wenn es um die Auswahl erfolgversprechender Aktien geht und um die damit verbundene Einschätzung der jeweiligen Unternehmen, fehlt dem Laien nämlich oftmals nicht nur die Zeit, sondern auch die nötige Fachkenntnis.

Christoph Bruns, Leiter des Aktienfondsmanagements bei Union Investment, warnt Anleger davor, blind nach einzelnen Börsenlieblingen zu greifen. Infinion sei nicht das Topunternehmen im Halbleitermarkt, beruhigt er alle, die beim Emissionslotto zu kurz gekommen sind. Wer Interesse an High-Tech-Werten habe, solle auf eher konservativ ausgerichtete Fonds setzen, die zwar Wachstumstitel bevorzugen, aber ihre Aktien zu angemessenen Preisen einkaufen.

Natürlich verspricht der Kauf von Fondsanteilen nicht die Sicherheit einer Bundesanleihe oder einer Lebensversicherung. Die Wertentwicklung eines Fonds hängt nicht nur von der Börsenverfassung, sondern auch von der Qualität des Fondsmanagers ab, einige schreiben sogar Verlust. Obendrein lassen sich die Fondsgesellschaften ihre Arbeit bezahlen - was die Rendite schmälert. Hinzu kommen sehr unterschiedliche Chancen und Risiken der jeweiligen Fondsgruppen. Fonds, die beispielsweise weltweit investieren, sind wegen ihrer extrem breiten Streuung vergleichsweise schwankungsarm, enttäuschen aber Anleger, die auf sehr hohe Renditen erpicht sind. Anders die Spezialitätenfonds, die nur Anteile an Unternehmen aus einer Branche einkaufen oder auf festgelegte Themen setzen. Furore machen derzeit vor allem Fonds mit Internet-, Lifestyle- oder Biotechnologiewerten. Bei diesen Fonds spielt die ursprüngliche Idee des Investmentsparens, die Risikostreuung, allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Wer kauft, muss auch hohe Verlustrisiken einkalkulieren.

Risikoscheue Sparer, die nicht auf die Chance der Aktie verzichten wollen, sollten in AS-Fonds investieren. Dabei handelt es sich um Mischfonds, die maximal zu 75 Prozent und wenigstens zu 21 Prozent in Aktien investieren und als Sparvertrag mit einer 18-jährigen Laufzeit verkauft werden. Im Unterschied zu anderen Mischfonds dürfen die Fondsmanager bis zu 30 Prozent Immobilienanteile einkaufen. Die von den Anlegern eher vernachlässigten AS-Fonds haben sich als gewinnträchtige Alternative zu Lebensversicherungen entpuppt. Die Varianten mit hohem Aktienanteil können mit teils exzellenten Ergebnissen glänzen. Spitzenreiter dieser Fondsgruppe sind der Vorsorge AS der Deutsche-Bank-Tochter DWS und der AS-Aktiv-Dynamik von Adig-Investment, die im vergangenen Jahre eine Wertentwicklung von 76,3 und 75,9 Prozent erbrachten.