Kulturmagazine haben es schwer, seit Jahren verkrümeln sich die Quoten in den Bereich der Bruchrechnung. Und die Macher ändern mit neuen Stylings und Gesichtern herzlich wenig. Man ist geneigt, für diese Tendenzen das Privatfernsehen verantwortlich zu machen. Aber das wäre zu einfach. Hinter dem Niedergang der Kulturmagazine steckt eine andere Entwicklung, die auch die Printmedien ergriffen und mit Öffentlich-Rechtlich versus Privat nichts zu tun hat.

Kultur hat es - was ja erfreulich ist - als ästhetischer Anspruch, künstlerisches Bemühen und schöner Schein inzwischen zu einer Feinverteilung in der Gesellschaft gebracht, die ihre Konzentration und Abgrenzung in einem Magazin erschwert; ein Kanzleramt zum Beispiel ist nicht einfach nur ein Kanzleramt, ein Reichstag nicht nur ein Reichstag, sondern zugleich Galerie und sehenswerte Architektur: Vor den Bauten ragt Kunst auf, drinnen wartet sie als Dekor und Provokation - und so ist es überall. Man kann es vergleichen mit der Politisierung sämtlicher Lebensbereiche in den sechziger und und siebziger Jahren. So wie damals alles, auch das Privateste, politisch war, ist heute alles, auch das Politischste, Kultur.

Natürlich hat auch aspekte unter diesem Trend zu leiden gehabt und sich entsprechend runderneuert. Nach Papa Eichels Abgang versuchen wechselnde Moderatoren aus lässiger Umgebung (Kantine) mit locker beiseite gesprochenen Einladungen das Publikum für die Serviceleistung Kulturinformation zu begeistern; auch das Logo wurde neu designt. Der Kringel ums K, der an Kultur erinnern soll, wiederholt aber nur das Mondgesicht des Moderators Wolfgang Herles, und der freche Pfiff, der akustisch die Beiträge trennt, lässt nicht an tolle Jugend denken, sondern ans Pfeifen im Walde. Auch so - schneller, frischer, legerer - werden die aspekte keinen neuen Nutzerkreis erschließen, solange man das Grundbedürfnis der Redaktion, einem verstockten Publikum die Substanzen der Kultur mit Trick und Chic nahe zu bringen, deutlich herausspürt. In Zeiten, in denen die Kultur überall ist, sogar beim Fußball, braucht man vielleicht kein Extramagazin mehr für sie. Und wenn man doch eins macht, müsste man die Chuzpe aufbringen, seinen Gegenstand ganz neu zu definieren.