Die Idee ist aus der Not geboren. "Das war Leidensdruck pur", sagt Peter Schwerdtmann, Sprecher der Continental AG. "Es ist schon verrückt, Analysten empfehlen unsere Papiere, aber der Kurs dümpelt vor sich hin." Das soll sich nun ändern. In großen orangefarbenen Lettern verkündet der Reifenhersteller in ganzseitigen Anzeigen: "Tendenz: Weiter steigend!" Und darunter die imposante Entwicklung der Profite von 750 Millionen auf eine Milliarde Mark. "Wir müssen den Leuten klarmachen, dass man auch mit soliden Werten Geld verdienen kann, nicht nur mit Neue-Markt-Titeln."

Was bei Neuemissionen gang und gäbe ist, übernehmen jetzt auch etablierte und bereits an der Börse notierte Firmen: Sie machen Werbung für ihre Aktien. Die Börseneuphorie konzentriert sich zurzeit auf neue Titel. Anleger reißen sich um alles, wo ".com" dahinter steht oder Computertechnologie drinsteckt. Die Werte der so genannten Old Economy stehen dagegen nicht so hoch im Kurs.

"Die Theorie vom rationalen Kapitalmarkt ist ein Mythos"

Da bricht schon mal ein Vorstandsvorsitzender in wilde Flüche aus: "Wir sind ein kerngesundes Unternehmen, aber wir kriegen den verdammten Aktienkurs nicht hoch", schimpfte Manfred Schneider, Vorstandschef des Bayer-Konzerns.

Die meisten Analysten sind sich einig, dass Industrieaktien deutlich unterbewertet sind. "Jetzt bieten sich günstige Einstiegsmöglichkeiten", empfiehlt deshalb das Handelsblatt.

Die Stiefkinder der Börse versuchen nachzuhelfen, indem sie ihrem Aktienkurs mit Reklame neuen Schwung geben. "Vor zehn Jahren hätte man das vielleicht nicht gemacht. Damals galt das eher als unseriös", sagt Ferdinand Graf von Ballestrem, Finanzvorstand der MAN AG. "Aber heute ist die Konkurrenz ums Kapital groß. Da muss man etwas unternehmen." Mit Anzeigen will der Hersteller von Investitionsgütern deshalb vermitteln: "MAN verbindet Solidität und Wachstum. Auch an der Börse."

In Inseraten der Preussag AG grinsen einem gut gelaunte Aktionäre entgegen und fordern: "Worauf warten Sie noch, wenn Sie nach einem Dax-Wert mit Fantasie suchen? Ist doch ganz einfach: Preussag". Da ist von dem richtigen Wachstumsfeld die Rede, von einem Konzern, der weiß, wie man Wachstum managt, von Dynamik und gebündelter Kompetenz. Mit seiner Kampagne will das Unternehmen nicht nur neue Anleger gewinnen, sondern auch den Wandel der Firma in die Köpfe der Menschen bringen: weg von der Industrie, hin zur Touristik und Dienstleistungen.