Normalerweise wird von einem noblen Hotel erwartet, dass es die Untaten seiner Gäste diskret übersieht. Doch gibt es einen charmanten Störenfried, mit dem sich das New Yorker Plaza gern schmückt: Kaum war 1955 die Geschichte der sechsjährigen Eloise erschienen, eines unartigen Dauergastes mit unbegrenzten finanziellen Ressourcen, erkannte das Hotel den Werbefaktor dieser glamourösen Figur. Wer konnte auch das Potenzial einer Heroine übersehen, die vom Zimmerservice schwärmt und ihre Ausgaben bedenkenlos anschreiben lässt?

Kay Thompson, die damals im Plaza lebte und ihr kindliches Alter Ego zusammen mit dem Illustrator Hilary Knight in die Gestalt einer Göre übersetzte, hielt dort populäre Teepartys ab, bei denen Teeny Weenies und Eggs Eloise serviert wurden. Das Plaza widmete Eloise eine Hausleitung mit Tonband, das die Gesangslehrerin und Musical-Arrangeuse Kay Thompson mit heller Mädchenstimme beantwortete und so die permanente Anwesenheit des Ungeheuers bewies.

Die Mischung aus Charme und Unverschämtheit machte Eloise zu einem der ersten Marketingphänomene des 20. Jahrhunderts. Bereits in den fünfziger Jahren inspirierte das luxusgewohnte Kind Puppen und Spielzeug. Kate Thompson hatte an dem Kultstatus von Eloise selbst geschickt mitgewoben. Die Nachfolgebände, die über die Abenteuer der Heldin in Paris und Moskau erzählen, zog sie wenige Jahre später aus dem Verkehr, um den Mythos der Originalgeschichte zu heben. Als sie 1998 starb, wurden die Rechte an Eloise frei. Im vergangenen Oktober kam es zu einer 13 Wochen währenden Auktion. Unter anderem rissen sich Tom Hanks, Warner Brothers, Paramount und Nickelodeon um den Markenartikel.

Die itsy bitsy Entertainment Company ging schließlich als Sieger hervor und feierte ihren Coup im Plaza mit dem grandiosen Black and Pink-Ball (Eloises Lieblingsfarben). Ausgerechnet die Wahlwaise Eloise, die mit ihrer Nanny zusammenlebt, während die chronisch abwesende Mutter sich in Paris der Eleganz hingibt, soll dem Unternehmen nun als Kronjuwel der Familienwerte, so Präsident Kenn Viselman, dienen.

Schon sind brandneue Eloisiana auf den Markt gekommen: eine Puppe aus der Werkstatt der legendären 77-jährigen Madame Alexander (die schon jetzt alle Verkaufserwartungen übertraf), Puzzles, ein Puppenservice und eine Spardose.

Im nächsten Jahr sollen ein Hollywood-Spielfilm und eine Fernsehserie folgen.

Das Plaza ist, selbstredend, neben dem Spielzeugladen FAO Schwarz der exklusive Verkäufer von Eloise-Merchandise: Hier sind Lithografien in limitierter Auflage, Sweat- und T-Shirts mit einem Eloise-Wappen und vor allem ein Revival des Eloise Emergency Hotel Kit zu haben. Die ovale Hutschachtel enthält eine rosa Plastiksonnenbrille, Rosinen (für Eloises Schildkröte), ein Do not disturb-Schild, Shampoo und Seife und kostet 45 Dollar. Charge it, please, thank you very much, hätte Eloise befohlen.