Bergwitz Spaß? Nein, Spaß sei wohl das falsche Wort, sagt Berthold Hippe auf die Frage, mit welcher inneren Haltung er seinem Beruf als Pfarrer nachgehe.

Freude, das ja. Dann und wann. Wenn fünf Gläubige im Gottesdienst waren. Und zugehört haben. Richtig zugehört. Im Übrigen gilt: "Ich bin gerade 50 geworden. Da macht sich eine resignative Grundstimmung breit."

Vor kurzem hat Hippe den Aufsatz eines klugen Kollegen gelesen. Darin stand, dass die Säkularisierung immer weiter voranschreite, in Ost und West. In Ostdeutschland allerdings schneller und radikaler, meint Pfarrer Hippe.

Längst sind die Zeiten verflogen, in denen die ostelbischen Gottesmänner und -frauen von vollen Kirchen träumten.

Berthold Hippe wuchs in einem protestantischen Elternhaus auf, in Eisleben, dem Geburtsort Martin Luthers. In Halle hat er Theologie studiert. Später war er lange Jahre Pfarrer in der Altmark, bevor er 1985 nach Bergwitz kam - einem Dorf an einem kleinen See im Osten von Sachsen-Anhalt. Die Luther-Stadt Wittenberg ist nicht weit, Gräfenhainichen auch nicht. Dort wurde Paul Gerhardt geboren, der vielleicht bekannteste Dichter protestantischer Kirchenlieder.

Pfarrer Hippe ist ein praktischer Mann. Als Junge hatte er davon geträumt, Automechaniker zu werden. Heute klettert er auch schon mal auf das Pfarrhaus, um das Dach zu reparieren, und die Predigt, sagt er, muss anschaulich sein, zumal auf dem Land. "Klug reden" gilt hier als städtisch - und westdeutsch.

Er aber will der "Stino-Pastor" vom Dorf bleiben. Zu DDR-Zeiten habe sein Protest im Wesentlichen darin bestanden, nicht zur Wahl zu gehen. Das sei zu wenig gewesen, findet er. 1968 hatte er das Haar wachsen lassen und die Stones gehört. Inzwischen hat er mit seiner Frau fünf Kinder. Seiner Umwelt schien er 1989 prädestiniert für die Leitung des Runden Tisches im Landkreis Gräfenhainichen.