Lange Zeit galten die Ludwigshafener als rückständig, was das Landwirtschaftsgeschäft anbetrifft. Während Monsanto, Novartis & Co längst mit High-Tech-Getreide experimentierten, verkaufte BASF den Bauern weiterhin Dünger und Pestizide traditioneller Machart. Fast schon hätten die Chemiker dort ihr Innovationsdefizit bedauert, da wandelte sich im vergangenen Jahr die Schwäche in eine Stärke.

Die Verbraucher hatten das Wort ergriffen und machtvoll gegen die Gen-Mogeleien protestiert. Das verschreckte Anbieter und Anleger. Eilig gliederten Novartis und Astra Zeneca ihre Agrosparten aus. Monsanto verlor gar seine Unabhängigkeit. Jetzt haben die Ludwigshafener die Landwirtschaft plötzlich wiederentdeckt: Für üppige 3,8 Milliarden Dollar ersteigerte BASF das Pflanzenschutzgeschäft von American Home Products (AHP). Zudem sollen in den kommenden zehn Jahren rund 700 Millionen Dollar in die grüne Gentechnik-Forschung fließen. Was um Himmels willen hat Vorstandsmitglied Eggert Voscherau ("Agro nehmen wir immer") vor, wenn er da einsteigt, wo andere aussteigen?

Doch ganz so dumm ist die Strategie nicht: Wie BASF hatte AHP seine Stärke in der konventionellen Agrochemie. Der Zukauf bringt ein paar fehlende Insektizide und den Vertrieb in den Vereinigten Staaten, der den Ludwigshafenern bisher fehlte. Und für den Fall, dass sich die Verbraucher doch noch eines Besseren besinnen, lässt Voscherau in den gemeinsamen Laboren schon mal ein paar Turbo-Pflanzen austesten.