Ein einziges Mal in seinem Leben hat Craig Venter ein selbst gestecktes Ziel verfehlt. Das war vor zwei Jahren bei einer Regatta zu den Bermudas.

Seine 25-Meter-Yacht The Sorcerer (Der Zauberer) dümpelte mitten im Atlantik in der Flaute. Also holte Craig Venter den Spinnaker hervor, ein Segel, auf das er besonders stolz ist: Es zeigt sein eigenes Konterfei, sieben Meter hoch, stolz gebläht noch von der schwächsten Brise. So segelte er der Konkurrenz davon. Und wurde disqualifiziert. Spinnaker waren bei diesem Rennen nicht zugelassen.

In gewisser Weise ist das die ganze Geschichte des Craig Venter. Wo kein Wind ist, da macht er welchen. Wo Regeln sind, da bricht er sie. Kommt immer als Erster ins Ziel. Nur den Pokal will ihm keiner geben. Unter Genforschern heißt Craig Venter "der Feind". Für so einen Titel muss man einiges auf die Waage bringen.

Zur Welt kam J. Craig Venter (auf das Erstinitial legt er Wert) am 14.

Oktober 1946 in Salt Lake City. Auf der Highschool brachte er es immerhin zur Meisterschaft im Rückenschwimmen. Die Collegezeit verlegte er nach Kalifornien, wo er sich ausgiebig dem Surfen widmete. Einberufen nach Vietnam, landete er in einem Militärhospital an der Front. Danach war es vorbei mit dem lockeren Beachboy-Leben. Venter schrieb sich an der Universität von Kalifornien in San Diego ein und schloss innerhalb von sechs Jahren mit dem Doktor der Biochemie ab. Es folgte die übliche Karriere.

Assistenzprofessor an der State University of New York in Buffalo, Abteilungsleiter bei den National Institutes of Health (NIH) - zehn Jahre lang forschte er an einem einzigen Protein, dem Adrenalinrezeptor in menschlichen Nervenzellen. Er fand in Handarbeit sogar das verantwortliche Gen. Hätte Venter im gleichen Tempo weitergemacht, hätte er es wahrscheinlich irgendwann zum Direktor irgendeines langweiligen Institutes gebracht.

Ein guter Surfer, sagt Craig Venter, wartet immer auf die eine, die ganz große Welle. Ende der achtziger Jahre sah er sie kommen. Allen Ernstes wollten Optimisten daran gehen, das gesamte menschliche Erbgut zu entschlüsseln. Drei Milliarden Basenpaare, drei Milliarden Dollar, dreißig Jahre harte Arbeit - das waren die Rahmenbedingungen für die "Mondlandung der Biologie". Manche glaubten damals, es sei nicht zu schaffen. Andere meinten, wenn jede Industrienation einen Beitrag leiste, würde es vielleicht gehen.