An Auszeichnungen für vorbildliche Unternehmensführung mangelt es Michael Otto nicht. Bereits 1991 wurde der Chef der weltgrößten Versandhausgruppe zum Ökomanager des Jahres gekürt. 1997 verlieh ihm die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) Europas höchstdotierten Umweltpreis. Als wenn er auf Ehrungen solcher Art abonniert wäre, heimst Otto dieser Tage den nächsten Preis ein.

Trotz Globalisierung, Beschleunigung des Wirtschaftslebens und härter werdendem Wettbewerb scheint es dem 56-jährigen Hamburger nämlich irgendwie zu gelingen, bei seinen Geschäften Umwelt- und Sozialbelange nicht zu kurz kommen zu lassen. Dafür zeichnet ihn nun das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik (dnwe) mit seinem erstmals ausgelobten Preis für Unternehmensethik aus. Dem 1993 gegründeten Verein gehören 450 Mitglieder aus Wirtschaft, Politik, Kirchen und Wissenschaft an, die sich der Aufgabe verschrieben haben, "zur Lösung von moralischen Dilemmasituationen im wirtschaftlichen Wettbewerb beizutragen". Die Jury, darunter Bosch-Aufsichtsratschef Marcus Bierich und Lufthansa-Vorstand Heiko Lange, verfiel nicht etwa nur deshalb auf Otto, weil er ein "guter Mensch" ist oder einzelne gute Taten vollbracht hat, sondern weil er "strukturell wirksame geschäftspolitische Maßnahmen" eingeleitet hat - und damit eine "Vorreiterrolle" übernahm, wie der Nürnberger Wirtschaftsprofessor Horst Steinmann, Vorsitzender des Ethik-Netzwerkes, mitteilt.

Tatsächlich sind für den Otto-Versand bei der Beschaffung seiner Waren in Ländern mit zum Teil heiklen sozialen und ökologischen Bedingungen - beispielsweise Türkei, Indien oder Thailand - Kinder- oder Zwangsarbeit ebenso tabu wie nachweislich gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen. Vor allem aber sorgt Otto mit Öko- und Sozial-Audits bei seinen Lieferanten dafür, dass es bei der löblichen Absichtserklärung nicht bleibt. Durch die Kombination des Warenimports mit dem Export von Umwelt- und Sozialstandards glaubt der Hamburger die nachhaltige Entwicklung fördern zu können, die seit dem Erdgipfel von Rio de Janeiro (1992) zwar von jedermann beschworen wird, im wirklichen Leben aber oft zu kurz kommt. Otto kontrolliert seine Lieferanten nicht nur, er schult sie auch. Halten sie die Regeln trotzdem nicht ein, tauchen ihre Waren im Otto-Katalog nicht mehr auf. Richtschnur für Ottos Geschäftspraktiken ist der Social Accountability Standard 8000, ein Katalog aus neun Kriterien, den der amerikanische Council on Economic Priorities entwickelt hat. Neben Otto selbst stehen hinter dem Gremium auch Unternehmen wie Levi's und Body Shop - aber auch der Sportartikelhersteller Nike, in dessen Borussia-Dortmund-Fan-Trikots kürzlich Spuren ungesunder Chemikalien entdeckt wurden.

Das Preisgeld in Höhe von 20 000 Mark lässt Otto übrigens der von ihm gegründeten Stiftung für Umweltschutz zukommen, die sich hierzulande um die Erhaltung naturnaher Gewässer bemüht.