Seltsame Dinge gehen vor in der Stadt Berlin. In den Salons, in den Wandelgängen des Parlaments und selbst noch in den einschlägigen Kneipen von Berlin-Mitte sieht man Theater- und Musikliebhaber die Köpfe zusammenstecken, um angeregt über den "Hauptstadtkulturfonds", die "Frage der Rechtsformänderung", "Synergieeffekte" und "vorläufige Haushaltswirtschaft" zu tuscheln.

Die Sitzungen des "Unterausschusses Theater" im Abgeordnetenhaus sind auf dem besten Wege, jenen Häusern, um deren weiteres Schicksal dort gerungen wird, den Rang abzulaufen. In der Lobby des preußischen Landtags werden die Auftritte der Parlamentarier, Bürokraten und Intendanten von den Kollegen Kritikern mit einer Leidenschaft debattiert, die sonst nur herausragende Premieren zu erwecken vermögen.

Die Wirrungen der Kulturpolitik - in glücklichen Zeiten ein langweiliges Insider-Thema - sind in Berlin zum Tagesgespräch geworden. Nach Jahren der Stagnation unter dem Regime des zusehends überforderten Senators Peter Radunski hat nun das große Beben begonnen, das die Leitartikler seit langem halb sehnend, halb drohend beschworen haben. Man muss kein Spökenkieker sein, um die Prognose zu wagen, dass am Ende dieses Jahres in der Kulturpolitik der Hauptstadt nichts mehr beim Alten sein wird.

Die Kasse ist leer. Das ist zwar nichts Neues, aber diesmal wissen es alle.

Es tritt allmählich zutage, welches Erbe Radunski seiner Nachfolgerin hinterlassen hat: Die neue Berliner Kultursenatorin Christa Thoben, gerade 100 Tage im Amt, hat ein Defizit von schätzungsweise 70 Millionen auszugleichen. Die guten alten Zeiten der kreativen Berliner Hauhaltsführung sind passé: vorbei die Tage seligen Durchwurstelns, als im Zweifelsfall immer irgendwo ein Topf mit Lotto-Geld bereitstand, um die lästigen Löcher zu stopfen! Und ach, die schöne Zeit, als noch ein Anruf im befreundeten Kanzleramt genügte, um die Gage für ein teures Gastspiel einzutreiben.

Vorbei, vorbei, sie kommt nicht mehr!

Im Kanzleramt sitzt jetzt nämlich einer, der Bilanzen zu lesen versteht.