Vielen Dank, dass Sie nicht wie die katholische Kirche frühreif von ungeborenen Kindern reden (oder ungeborenen Jugendlichen oder Müttern). Aber vonseiten der Biologie kann ich Ihnen zuverlässig versichern, dass schon Spermien und Eizellen menschliches Leben darstellen: Sie sind menschlich - nicht von Tier oder Pflanze, und sie leben - haben Stoffwechsel, die Spermien zum Beispiel auch Bewegung. Tote Spermien können nicht befruchten, eine abgestorbene Eizelle kann nicht befruchtet werden.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob menschliches Leben vorliegt (das ist schon bei den Geschlechtszellen der Fall), sondern welche Lebensstadien ab wann wie stark geschützt werden sollten. Und mit dem Schutz von Embryonen ist es generell sehr schlecht bestellt. In Deutschland und Österreich sind sie zwar im Labor sicher, aber auch in diesen Ländern werden unzählige Embryonen legal getötet: mit der klassischen Spirale oder einer der Pillen danach dürfen bei jeder Frau über Jahre hinweg beliebig viele an der Einnistung in die Gebärmuter gehindert und damit dem Tod ausgesetzt werden.

Die allermeisten Embryonen sterben natürlicherweise sowieso ab, ob nun nach künstlicher oder natürlicher Befruchtung, und ohne dass die Frau dies merkt.

Wenn man bereits Embryonen als schützenswertes menschliches Leben ansieht, dann gibt es logischerweise auch jenes "ein bisschen schwanger sein" - das wäre dann, der allgemeinen Weisheit zum Trotz, sogar die Regel. Bis zur Regel.

Dr. Manfred Schleyer München-Pasing

Die Argumentation für eine Präimplantationsdiagnostik (PID) läuft auf eine primitive Nützlichkeitsethik hinaus. Sie ignoriert die kategorische Grenzüberschreitung: von humanem Unterwegssein in sozialer Not und Freude weg und hin zu einer biologistischen Rohstoffoptimierung. Das ist kein humangenetischer Fortschritt, sondern ein Rückfall in vorzivilisatorische Naturzustände. Dieser Ethik folgt auch die Affenherde.

Prof. Dr. Sigmar Groeneveld Kassel