Ihre Konzerte wandern unaufhaltsam von der Feierlichkeit zum Frohsinn.

Meistens beginnen die sechs Gentlemen mit Hymnen von William Byrd und Thomas Tallis. Bald lugen Teufel und Tierstimmen hervor. Andächtiges von Franz Schubert spendet kurzen Trost. Irgendwann kommen die Beatles, fegt der Jazz, kracht der Rap, giggelt der Nonsens. Und keine Angst vor der Avantgarde - wohl muss sie sinnlich oder ganz von Sinnen sein.

Die King's Singers - vor 32 Jahren dem King's College in Cambridge entwachsen und nun, nach mehreren Umbesetzungen, in der dritten Generation - sind Weltmeister in der Kunst, auch das sprödeste Publikum zu knacken. Von Vancouver bis Jakarta haben sie mit umwerfender Lakonie den alten Josquin Desprez zum spöttischen Grandseigneur des Humors gemacht. Haben gewinnend mit Freddie Mercurys unvergänglichen Weisen angebandelt. Haben zu später Stunde noch die Beach Boys zugegeben. Der Saal summte und kringelte sich, während die heiteren Agenten ihrer Majestät Gesichter machten, als feierten sie das eigene Requiem. Also fabelhaftes Komikerhand- und Mundwerk. Einen gleichermaßen fidelen wie anspruchsvollen Querschnitt aus dem vergangenen Jahrzehnt bietet die neue Box des Ensembles, die bloß capella heißt (RCA 74321 642942). Will sagen: Wir sind selbst eine Kapelle und brauchen keine zur Unterstützung. Wer's nicht glaubt, sollte in ihre Version von Paul Simons Fifty Ways to Leave Your Lover reinhören. Da sind die King's Singers ein kapitales Stimm-Orchester, eine Big Band der Timbres, eine Combo mit bullerndem Bass, schmetternden Trompeten, plinkernder Gitarre und knochentrockenem Schlagzeug. Anderswo reicht das für ganze Symphonien. Hier ist der Sound sechs Kehlen anatomisch präzise aufs Stimmband kopiert. Vom hohen A des seraphischen Countertenors bis zum tiefen C des Kellermeisters spannt sich auf mehr als zweieinhalb Oktaven alles aus, was der menschlichen Stimme irgendwie zugänglich ist. Manchmal vergisst der Hörer, dass hier ausschließlich Herren vor dem Mikrofon stehen.

Zugleich wandelt sich der Klang der King's Singers mit einer Schnelligkeit, dass auch der aufmerksamste Protokollant kaum nachkommt. In Góreckis Totus tuus erlebt man ihn als gleißenden, kantenlosen Strahl. Eine gebrochene Romantik entfaltet er in Faurés Lydia. In Brahms' Abendständchen gibt er sich süß und versponnen. In The Rose knutscht er herzhaft Bette Midler. Doch unüberbietbar scheint immer noch Robert Chilcotts rassiges Arrangement von Good Vibrations. Danach ist man für jede Form von besinnlicher Tätigkeit verdorben.