Wann immer wir in den Vereinigten Staaten ein politisch oder technisch schwieriges Problem haben, versuchen Kongress und Weißes Haus, sich um unangenehme Entscheidungen zu drücken. Deshalb setzen sie eine Kommission ein. Ein Beispiel hierfür ist die Trade Deficit Review Commission, deren Mitglieder zurzeit prüfen, welche Folgen das gigantische US-Außenhandelsdefizit haben könnte. Mit fast vier Prozent des Bruttoinlandproduktes übersteigt das Leistungsbilanzdefizit den Rekordstand von 1987. Liegt darin eine Gefahr?

Die Kommission fragte in New York Experten der Wall Street nach ihrer Einschätzung. Bisher lautet der Tenor an den Finanzmärkten: kein Grund zur Panik. Das liegt daran, dass sich die Experten einig sind, warum wir ein solches Defizit haben: Verglichen mit dem Rest der Welt, wächst die amerikanische Wirtschaft extrem schnell. Die Unternehmen stecken enorme Summen in die Produktivität steigernde Investitionen.

Das Außenhandelsdefizit ließ sich dabei bisher problemlos finanzieren. Seit 1995 hat sich der Marktwert der privaten ausländischen Investitionen in den USA mehr als verdoppelt - über vier Billiarden Dollar sind in amerikanischen Aktien, Rentenwerten und anderen Finanzierungsinstrumenten angelegt. Egal ob sie aus dem In- oder Ausland kommen, was Investoren an den amerikanischen Finanzmärkten schätzen, sind die fantastischen Wirtschaftsdaten. Die Anleger sind begeistert von dem Haushaltsüberschuss, dem standhaften Eintreten für eine unabhängige Zentralbank, von einer ökonomischen Kultur, die besonders junge Startup-Unternehmen unterstützt, und von einem hoch entwickelten Investorenschutz. Die erstaunlichen Erfolge im High-Tech-Sektor heizen den Markt zusätzlich an.

Kurioserweise wurde das Handelsdefizit aber nicht in erster Linie durch ausländische Kapitalzuflüsse in den Aktienmarkt finanziert. Zwischen 1995 und Ende 1999 wuchs der Anteil am US-Aktienmarkt, der in der Hand von Ausländern liegt, gerade mal von 6,3 auf 6,5 Prozent (das entsprach Anteilsscheinen im Wert von 1,2 Billionen Dollar). Die vergleichsweise hohen Zinsen am amerikanischen Rentenmarkt ziehen die Anleger aus anderen Ländern viel stärker an. Seit 1995 investierten Ausländer zusätzlich 1,2 Billionen Dollar in US-Staatsanleihen, in Hypotheken-gesicherte Wertpapiere oder Unternehmensanleihen.

Was könnte nun die ausländischen Investoren veranlassen, ihre Ansicht zu ändern und mit der so bereitwilligen Finanzierung des US-Außenhandelsdefizits aufzuhören? Die Experten der Wall Street sehen fünf potenzielle Gefahren.

Erstens könnte die Seifenblase des High-Tech-Aktienmarktes platzen. Amerika hat schon High-Tech-Blasen erlebt. Die Glamouraktien von 1967 und 1968 stammten von ähnlichen Computer- und Technologieunternehmen wie die heutigen.

Um 1970 platzte diese Blase, der durchschnittliche Kursverlust der betroffenen Aktien betrug 88 Prozent. Die Aktie der Firma Control Data stürzte von 163 auf 28 Dollar. Electronic Data Systems fiel von 162 auf 24 Dollar. University Computing sackte um mehr als 90 Prozent ab, von 186 auf gerade mal 13 Dollar. Die Computerrevolution endete damit nicht, aber der Reinigungsprozess in der Branche war hässlich.