Am 4. März brachte die Mail on Sunday einen langen Artikel über Rosalind Mark, Kindermädchen im Hause Blair von 1994 bis 1998. Sie beabsichtige, erfuhren wir, ihre Erinnerungen an das Leben bei Familie Blair in Buchform zu veröffentlichen. Auszüge daraus waren in dem Artikel vorabgedruckt. Schon am Morgen darauf vermeldete Tonys Gattin Cherie, sie wolle eine gerichtliche Verfügung gegen die Veröffentlichung erwirken, während Tony selbst in Charles-Bronson-Manier schnaubte, er werde alles unternehmen, um die Privatsphäre seiner Familie zu schützen.

Klar, die Nanny weiß zu viel, aber wie skandalträchtig sind ihre Enthüllungen wirklich? Schauen wir mal näher hin: Da wird Tony als umgänglicher und natürlicher Kerl beschrieben, der Frau und Kinder wahrhaft liebt. Die Atmosphäre in Downing Street sei warm, herzlich familiär, keine Fassade, sondern natürlich wie die Bewohner selbst.

So weit - so blass. Was Frau Mark allerdings auch liefert, sind jede Menge Beispiele zu Blairs Eitelkeit, offenbar in der irrigen Annahme, das mache ihn so menschlich und liebenswert. Als ein Diskjockey sagt, Blair habe Mundgeruch, schwört er, von Panik geritten, sofort dem Knoblauch ab.

Besonders ausgiebig beschäftigt er sich wohl mit seiner Sonnenbräune, deren relative Intensität er anhand einer detaillierten Tabelle bestimmt. Während er darauf wartete, die Bombardierung des Irak bekannt zu geben, vertrieb er sich angeblich die Zeit mit dem Actionfilm Air Force One mit Harrison Ford.

Dass die Autorin den Premier in ihren sonst moderaten Memoiren ungewollt als eitlen Gockel porträtiert, scheint einzig plausibler Grund für die Reaktion der Blairs. Und die Tatsache, dass sie so prompt einschritten, kann nur als Beweis dafür gelten, dass er tatsächlich außergewöhnlich eitel ist. Hätte er den Artikel einfach ignoriert, dann hätten das alle anderen vermutlich auch getan. Aber bei einer sofortigen Verfügung fragen sich viele doch, was um alles in der Welt die Nanny gesehen haben mag. Was wohl so hysterisch unter der Decke gehalten werden muss - und malen sich alle möglichen Horrorszenarien aus. Es scheint, als sei unser strahlender Narziss ganz einfach ins Wasser gefallen.

ÜBERSETZUNG REGINE REIMERS FOTO SHEILA ROCK/ REX FEATURES Julie Burchills Buch Verdammt, ich hatte Recht ist bei Rowohlt erschienen