"Kauft die taz" - die tägliche Aufforderung in den Eigenanzeigen der Berliner tageszeitung hatten sich die Spiegel-Oberen zu Herzen genommen. Und was war der Dank? Sechs Monate Diskussionen und Debatten, die ergebnislos beendet wurden! Begonnen hat alles auf dem Fest zum 20. Geburtstag der taz im vergangenen Oktober. Der 30 Jahre ältere Spiegel war gerührt: So jung, die Kreuzberger Kollegen, und so pleite. Man gab dem väterlichen Urreflex nach und griff zur Brieftasche. Die Sehnsucht des Spiegels nach einem jungen, schnellen, sogar täglichen Produkt nach eigenem Bilde hat ja schon die kuriosesten Blätter entstehen lassen wie die ICE Press oder ein journalistisches Nachtschattengewächs wie den E-Mail-Service Der Tag. Auch die penetrante Fürsorge des Spiegels für die Schülerzeitungen im Lande ist doch suspekt: Offenbar möchte man gern noch mal jung sein. Doch wie das manchmal so ist in Familien: Geld macht die Dinge kompliziert. Den tazlern jedenfalls hat's gegruselt, als die väterlichen Freunde immer näher rückten.

Offenbar herrscht in Geschäftsführung und Aufsichtsrat die leicht paranoide Vorstellung, dann endgültig als "ausgelagertes Volontariat der bürgerlichen Presse" zu enden, wie es Hermann Gremliza der taz schon vor Jahren prophezeit hat. Also fand ein Ende, was so rührend begann. Stattdessen vereinbarte man eine nicht ganz so anstößige "Kooperation im Online-Bereich." Wie ganz anders wogen da derzeit die medialen Leidenschaften zwischen Spanien und seinen einstigen Kolonien, den Niederlanden: Da nähert sich die superreiche, aber langweilige Telefongesellschaft Telefonicá der rührigen, aber auch berüchtigten Big Brother-Produktionsfirma Endemol, indem die niederländischen Verhandlungspartner kurzerhand zu Milliardären gemacht werden - und prompt wird Hochzeit gefeiert. Was wiederum eine Endemol-typische Frage an hiesige mediale Kuppelkandidaten nahe legt: War der Preis eigentlich heiß?