Betuchte Pensionäre sind auf Deutschlands Kreuzfahrtschiffen nicht mehr unter sich. Nach einer neuen Branchenstatistik sank der Altersdurchschnitt der Passagiere auf hoher See 1999 von 55 auf 52,6 Jahre. Bei einer weiteren Verjüngung haben die Kreuzfahrten noch ein erhebliches Wachstumspotenzial, sagt der Chef von Aida Cruises, Richard Vogel, der nach dem Erfolg des Aida-Konzepts zwei weitere, noch erheblich größere Clubschiffe in Auftrag gegeben hat. Sie werden in Wismar gebaut und sollen vom Jahr 2002 an in See stechen.

International geht der Trend zur Gigantomanie weiter: Größtes Passagierschiff der Welt ist seit November die Voyager of the Seas der Royal Caribbean Cruise Line mit 142 000 Tonnen und über 3800 Passagieren, die auch in der Karibik nicht länger eine schwimmende Eisbahn und eine 60 Meter hohe Kletterwand entbehren müssen. Im Mittelmeer setzt vom kommenden Sommer an das neue Flaggschiff von Costa, die Costa Atlantica, mit 84 000 Tonnen neue Größenmaßstäbe.

Wir waren eine mediterrane und werden nun eine europäische Reederei, kündigt der Deutschland-Chef von Costa, Manfred Fast, größere Anstrengungen auf dem deutschen Markt an. Nur jeder hundertste deutsche Urlauber ist ein Kreuzfahrer. So kann es nicht weitergehen.

Tatsächlich setzen die beiden führenden deutschen Anbieter, Hapag-Lloyd und Deilmann, weiterhin auf klassische Kreuzfahrer, die gediegene, kleinere Schiffe mit extravaganten Routen bevorzugen. Deilmanns Deutschland bricht beispielsweise am 10. Juli von Cuxhaven zu einem 55-Tage-Törn nach Australien auf. In Sydney wird der Nostalgiedampfer während der Olympischen Spiele Gästeschiff des Nationalen Olympischen Komitees und Sendeplatz des ZDF Sportstudios.

Auch Hapag-Lloyd, dessen neue Europa demnächst von ihrer Jungfernweltreise zurückerwartet wird, zeigt dem maritimen Massenmarkt mit seinen zunehmend standardisierten Pauschalangeboten weiterhin die kalte Schulter. Stattdessen wurde für die betuchte Stammkundschaft jetzt ein eigener Club gegründet, dessen Mitglieder erstmals auf See Meilen sammeln können. Wer regelmäßig auf den Fluss- oder Hochseeschiffen von Hapag-Lloyd unterwegs ist, erhält als Prämien Freipassagen oder eine bessere Kabine als die bezahlte. In den ersten zwei Monaten hätten bereits 2000 Stammkunden die 200 Mark Aufnahmegebühr für den exklusiven Zirkel bezahlt.

Kein Wunder, dass das Preisniveau auf den Schiffen für den deutschen Markt weiterhin deutlich über dem internationalen Durchschnitt liegt: Die 330 000 deutschen Hochseekreuzfahrer zahlten 1999 durchschnittlich 4000 Mark für ihren Törn auf einem deutschen Schiff - gegenüber 3200 Mark auf ausländischen Schiffen.