Natürlich, sagt das Mädchen einmal, hasse sie ihr Alter: 17, eine vergeudete Zeit. Wenn sie nur könnte, würde sie auf einen Schlag zehn Jahre älter werden und alles hinter sich lassen, die Ängste, die Zweifel, die Irrtümer.

Unbeschwerte Jugend? Mit diesem Mythos räumt der Film, nach dem wir fragen, restlos auf. Denn die Welt, die das Mädchen und drei Jungen erkunden, könnte komplizierter kaum sein vor lauter Premieren: die erste Zigarette und der erste Kuss, die erste Prüfung und der erste Liebeskummer. Und als sei das alles nicht genug, herrscht auch noch Krieg. Der scheint weit weg und ist ganz nah, doch das begreifen sie erst spät. Das Ende der Unschuld, ein Grab unter Bäumen.

Für die Darstellerin des Mädchens war es der Film, mit dem sie bekannt werden sollte. Für den Regisseur, seit langem ein Entdecker großer Talente, war es der 13. - in einem Werk, das nur auf den ersten Blick uneinheitlich wirkt, weil es doch starke Leitmotive hat. Um ihn zu drehen, war er in seine Heimat zurückgekehrt. Das ermöglichte ihm, den ernsten Gesichtern seiner jungen Schauspieler die Bilder einer warmen, lichtdurchfluteten Landschaft entgegenzusetzen.

Und damit das Versprechen auf unbändiges, leidenschaftliches Leben. Denn letztlich suchen sie alle danach, die strauchelnden Helden und Heldinnen in seinem filmischen Kosmos. Meist verlassen sie dafür die Provinz, streifen nachts durch Metropolen und tags durch fremde Länder. Damit sie eines Tages bei sich selbst ankommen, auch wenn sie alle ihre Träume über Bord werfen mussten.

Doch für fast alle gibt es den Moment, in dem sie wissen: Jetzt beginnt mein Leben. Und dann ist es egal, wie alt sie sind: 17, 37 oder 70.

Wie heißt der Film?

Auflösung aus Nr. 12: The Ice Storm (Der Eissturm). Zwei US-Familien der siebziger Jahre auf der Suche nach Orientierung stehen im Zentrum von Ang Lees Film, den er 1997 unter anderen mit Kevin Kline und Sigourney Weaver gedreht hat davor verfilmte er Jane Austens Sense and Sensibility.