Eigentlich sollte der Kampf so richtig erst am Mittwoch um 0 Uhr beginnen, doch 20 Stunden vorher standen die Gewinner schon fest: Alle wähnen sich als Sieger. Kurz vor dem Ende der Friedenspflicht und dem Beginn obligatorisch machtvoller Warnstreiks haben sich die Tarifparteien der Metallindustrie Nordrhein-Westfalens einen Kompromiss abgerungen, der als Pilotabschluss zumindest für den Westen gilt und den selbst der bissige Industriechef Hans-Olaf Henkel "erträglich" findet.

Auch der Kanzler darf zufrieden sein. Sein Bündnis für Arbeit lebt, die zänkische Metallbranche hat sich ziemlich geräuschlos vertragen, die Vereinbarungen des Bündnisses erweisen sich als hinreichend schwammig, um auch diesen Abschluss zu decken: Lohnerhöhungen von 3,0 Prozent in diesem Mai und 2,1 Prozent ein Jahr später sind niedrig genug, um sich irgendwie "am Produktivitätszuwachs" zu "orientieren", und eine Laufzeit von zwei Jahren darf mit viel gutem Willen als "längerfristig" gelten.

Auch eine Beschäftigungsbrücke wird gezimmert. Aus der Rente mit 60 des IG-Metall-Chefs Klaus Zwickel wird zwar nichts, aber unter bestimmten Umständen darf jeder 57-Jährige in die Altersteilzeit gehen. Konkret wird das zumeist heißen: drei Jahre volle Arbeit bei reduziertem Lohn, drei Jahre "Freistellung" fürs selbe Geld (also ein Ausstieg mit 60), die später fälligen Rentenabschläge werden teilweise durch eine Abfindung ausgeglichen.

Zwickels Idee, zu diesem Zweck einen Tariffonds zu bilden, wird nicht verwirklicht, da waren die Arbeitgeber vor. Der Vorteil dieses Modells für die Unternehmen: Sie können sich langfristig darauf einstellen, dass verdiente Mitarbeiter ihre Sachen packen

zudem sind prozentuale Obergrenzen gezogen, damit in ältlichen Belegschaften nicht die halbe Mannschaft auf einmal geht. Zwar ist die Altersteilzeit finanziell nicht so komfortabel ausgepolstert wie in der Chemie

die erfolgsverwöhnten Autobauer aus dem Südwesten maulen, sie hätten gern mehr Geld verdient

und die Metaller im Osten fürchten, wieder einmal abgehängt zu werden. Ansonsten aber zufriedene Gesichter allenthalben.