Diese Toilette kann einfach alles. Was der Mensch von sich gibt, wird blitzschnell gefriergetrocknet und dadurch pillenklein, eine Trockendusche reinigt, und der Wickeltisch bietet Platz für einen Säugling. Das lavatory project ist eine Aufgabe der Erst- und Zweitsemester im Studiengang Produktdesign an der Fachhochschule Potsdam.

In zwei Monaten wird das Modell auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung präsentiert. "In Potsdam sind Professoren und Studenten offen für viele neue Ideen", sagt Hanna Schnackenberg vom Internationalen Design Zentrum Berlin. Im Gegensatz zu anderen Fachhochschulen ist das Studium an der FH Potsdam nicht schulisch angelegt, den Studenten wird bewusst viel Freiheit für ihre Entwicklung gelassen. "Zwang tötet jegliche Kreativität", sagt Michael Stratmann, der Dekan des Fachbereichs. Von der Qualität der Ausbildung in Potsdam ist er überzeugt: "Wenn man heute von Designausbildung redet, liegt Potsdam vorne dran."

Die Freiheiten, die man ihnen bietet, wissen die Studenten zu schätzen. Jelena Jamaikina lässt die Schüler in ihrem Seminar zur Kunstgeschichte Thema und Präsentation der Semesterarbeiten frei wählen. Dafür bekommt sie kleine Kostbarkeiten präsentiert: Statt Hausarbeiten auf drögem weißen Papier werden selbstgebundene Bücher abgegeben, kunstvolle Foto-Essays oder selbst entwickelte CDs. Neben dem Gestalten am Computer lernen die Studenten auch herkömmliche Techniken wie Buchbinden, Papierschöpfen oder Aktzeichnen.

Weil die Fachhochschule noch keine zehn Jahre alt ist, verfügt sie über moderne Geräte. Andererseits herrscht immer noch chronischer Platzmangel. Es fehlen ordentliche Gebäude für die Metallwerkstatt oder die Werkstatt für Siebdruck, und ein Studentenwohnheim gibt es auch nicht. Zudem sind erst 17 von den 23 Professorenstellen besetzt. Wie so oft verhindern klamme Finanzen größere Sprünge. Deswegen bemüht sich der Dekan um Zusammenarbeit mit der Industrie. Außerdem knüpft Stratmann Verbindungen zu ausländischen Designschulen.

Das Interesse an den zukünftigen Designern ist groß. "Bei einigen Studenten weiß ich gar nicht, wie ich sie noch durch die Diplomprüfung prügeln soll. Die verdienen sich schon während des Studiums an Aufträgen dumm und dämlich", sagt Stratmann nicht ohne Stolz. Das Interesse der Wirtschaft wird noch wachsen, wenn die Studienordnung erst einmal erweitert ist. Sobald das Kultusministerium zugestimmt hat, möglicherweise schon im kommenden Wintersemester, können Studenten an der FH Potsdam auch ihren Bachelor und ihren Master-Abschluss machen.

Katrin Trägenap, eine der ersten Studenten des Fachbereichs, hat gerade ihre Diplomprüfung in Kommunikationsdesign abgelegt. Die 26-jährige Potsdamerin hat eine interaktive CD-ROM für die Parkanlage von Sanssouci entwickelt. Ein halbes Jahr hat sie daran gearbeitet. "Ein Silberling für Potsdam" heißt das Projekt. CD-ROM klingt ihr zu prosaisch. Katrin Trägenap hat 1993 direkt nach dem Abitur angefangen. "Hätte es die FH nicht gegeben, wäre ich wahrscheinlich Grundschullehrerin geworden." Talentverschwendung wäre das gewesen, denn nun interessiert sich die Stiftung Schlösser und Gärten Brandenburgs für ihren Silberling.