Auf ein geteiltes Echo ist der Vorstoß der Kulturausschussvorsitzenden des Deutschen Bundestags, Dr. Elke Leonhardt (SPD), gestoßen. Frau Dr. Leonhardt hatte dafür plädiert, Berlin müsse zügig zur Weltkulturhauptstadt ausgebaut werden. Nach bestätigten Gerüchten soll sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Diepgen zustimmend zur Weltkulturhauptstadtsidee geäußert haben, sofern der Ausbau des Autobahnprojekts Tunnel unter der Spree gewährleistet sei. Die Zukunft Berlins als weisungsbefugte Globalkulturmetropole biete zudem die Chance, "abgetanzte und abgelatschte" Künstler auszumustern und zu Tiergartenarbeiten heranzuziehen.

Ähnlich rückhaltlos soll sich auch der amtierende Staatsminister für Kultur, Herr Dr. Michael Naumann, geäußert haben. Wie aus gewöhnlich stark getrübten Quellen verlautet, vereinbarten Berlins neuer Kultursenator Dr. Stölzl und Dr. Naumann einen Ämterwechsel für den Fall, dass der in New York tagende Weltsicherheitsrat die Pläne von Frau Dr. Leonhardt billigt. Dies hätte zur Folge, dass Herr Dr. Naumann als Weltkulturhauptstadtminister zugleich geschäftsführender Kurator der Bezirkskultureinrichtungen Peking, Sydney, Rom, Paris, Rio de Janeiro, Kapstadt und Hollywood würde, wobei Letztere aus Kostengründen an Babelsberg angegliedert werde. Sollten die Vereinten Nationen Dr. Naumann zum globalisierten Weltkulturminister ernennen (mit Sitz im wieder aufgebauten Berliner Stadtschloss), könnte der Europarat Dr. Christoph Stölzl zum Europakulturminister mit Schwerpunkt nationale Sitten und Gebräuche befördern (unter besonderer Berücksichtung deutscher Kunst von Albrecht Dürer bis Ludwig Thoma).