Torry Larsen und Rune Gjeldnes geht es den Umständen entsprechend gut. Zwar blieben sie am vergangenen Freitag bei minus 32 Grad lieber im Zelt. Aber ihre Expedition, die erste Durchquerung der Arktis via Nordpol ohne Hilfsmittel, läuft planmäßig. 500 Kilometer liegen hinter ihnen, ein gutes Viertel der Strecke, und irgendwann im Juni werden die 28-jährigen Abenteurer in Kanada ankommen. "Nur der kalte Wind stört im Moment", sagt Larsen.

Mit den beiden kann man nämlich telefonieren. Noch. Sie haben ein Iridium-Satellitentelefon dabei, so groß wie die Handys vor zehn Jahren, mit dem man an jedem Ort der Welt telefonieren kann. Doch auf den täglichen Plausch mit Journalisten werden die Norweger wohl bald verzichten müssen: Iridium ist pleite, und wenn nicht noch ein Wunder geschieht, werden die Satelliten zu nutzlosem Weltraummüll. Und den bringt man dann am besten mit einem gezielten "Deorbiting" in eine niedrigere Umlaufbahn, sodass er in der Atmosphäre verglüht.

Aber Technik ist nicht alles, sie muss vermarktet werden. Doch Iridium fand nur 55 000 Begeisterte, die weder Gerätekosten von zunächst 6000, später 3000 Mark, noch hohe Verbindungsgebühren scheuten. Der landfahrende Manager hat inzwischen auch mit dem gewöhnlichen GSM-Mobiltelefon fast überall Verbindung, und ein paar Polarexpeditionen und UN-Beobachter reichten als Kundschaft nicht, um die teure Infrastruktur zu bezahlen.

Die Firma Iridium ist bereits aufgelöst, das Konkursgericht im US-Staat New York verfügt über alle Sachwerte. Motorola gehört nur noch das Kontrollzentrum, und das wird nach Auskunft des deutschen Firmensprechers Volker Häbel nur aufrechterhalten, weil noch einige Expeditionen unterwegs sind, die man nicht gefährden will. Irgendwann in den nächsten Wochen aber wird der Ausschaltknopf gedrückt. Wer im vergangenen Jahr ein Satellitenhandy gekauft hat, bekommt sein Geld zurück, die älteren Kunden können das Gerät nur noch als Attrappe nutzen.

Müssen die teuren Satelliten aber deshalb zu Sternschnuppen werden? Für das Deorbiting gibt es noch keine konkreten Pläne. Etwa fünf Jahre könnte das System noch funktionieren, ohne dass neue Satelliten ins All geschossen werden. Ist Iridium zumindest für diese Zeit zu retten? Im Internet hat der Fachjournalist Henning Gajek aus Bad Dürkheim unter der Adresse saveiridium.org ein Forum für alle Fans des Satellitentelefons eingerichtet. Die empören sich über den geplanten Frevel am technischen Wunderwerk. "Iridium sollte erhalten werden", schreibt ein Besucher der Web-Seite, "und diejenigen, die es zerstören wollen, einer weltweiten Ächtung unterzogen werden."

Nachdem aber alle Verkaufsverhandlungen gescheitert sind, bleibt nur eine denkbare Überlebenschance: Das gesamte System wird an humanitäre Organisationen verschenkt oder für einen symbolischen Preis verkauft. Gerhard Thust, bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) für die Kommunikationsdienste zuständig, fände ein solches Non-Profit-Netz durchaus sinnvoll, vor allem für Projekte in den ländlichen Regionen Afrikas und Lateinamerikas. "Man müsste halt jemanden finden, der das Ganze betreibt." Denkbar wäre es etwa, dass ein anderer Satellitenbetreiber die Iridium-Steuerung als Goodwillaktion mit übernimmt.

Einen möglichen Einwand gibt es gegen einen solchen Plan: Das quasi subventionierte Netz würde anderen, innovativen Satellitenbetreibern einen Teil des Marktes versperren. Aber es geht ja nur um eine beschränkte Nutzung auf Zeit. Technisch sind die Iridium-Satelliten mit ihrer niedrigen Übertragungsrate von 2400 Bit pro Sekunde schon heute veraltet.