Ungefähr zur selben Zeit, als sich Sandy Wolff - wir erinnern uns: Sandy ist Alis Freundin, und Ali wiederum ist der Sohn der in Kiel lebenden Iranerin, die Anfang Januar dieses Jahres als erste Ausländerin die Doppelstaatsbürgerschaft verliehen bekam - auf den Weg von Sachsen-Anhalt nach Kiel gemacht hatte, beschloss auch eine andere junge Frau in Frankfurt an der Oder, nach dem Abitur nach Kiel zu gehen, um dort Architektur an einer Fachhochschule zu studieren.

Es war Herbst 1998, als sich Sandy Wolff und Steffi Brendel gleich zu Beginn ihres Studiums kennen lernten. Beide kamen, im Gegensatz zu ihren Mitstudierenden, direkt von der Schule und hatten nicht wie alle anderen schon etwas vorzuweisen wie etwa eine Tischler- oder eine Bauzeichnerlehre. "Wir waren die Jüngsten", sagt Steffi, "wir wurden beide ins kalte Wasser geschmissen." Das hat sie verbunden. Es war gut, jemanden zu haben, der in derselben Situation ist. Die beiden jungen Frauen haben sich gegenseitig geholfen. Das ist bis heute so geblieben. "Steffi ist total hilfsbereit, das finden alle an der Schule", sagt Sandy. Jetzt sind sie beide bereits im vierten Semester und haben hoffentlich bald die Halbzeit erreicht - ungefähr sechs Semester liegen noch vor ihnen.

Wenn die 22-jährige Steffi nicht gerade Pläne zeichnet oder für Prüfungen lernt, betreibt sie Sport, wie Sandy auch - und davon jede Menge: Skaten, Volleyball und Segeln. "Eigentich hat mich das Wasser nach Kiel gezogen", sagt Steffi. Und auch der Umstand, dass ihre ältere Schwester schon hier an der Fachhochschule studiert hatte und nach dem Studium gleich in Kiel geblieben ist.

Was Steffi selber einmal nach dem Studium machen wird? Mal sehen. Zuerst einmal die Ausbildung abschließen. Und das dauert ohnehin noch eine Zeit lang. Aber spätestens mit 26 Jahren will Steffi Brendel eine Frau Diplomingenieur sein. Was nachher passiert, da hat die Studentin heute noch keine fixen Pläne, da will sie flexibel sein. Muss sie vielleicht. Wer weiß, wie in ein paar Jahren die Berufschancen in Deutschland stehen? Vielleicht will sie ja auch noch einmal für einige Zeit ins Ausland gehen? Eine Vorstellung, die auch ihre Studienkollegin Sandy gut findet.

Erst einmal aber müssen sich die beiden durch die kommenden Semester ackern, fleißig sein und sich mit Nebenjobs finanziell ein bisschen über Wasser halten. Steffi kellnert einmal pro Woche, gleich in dem kleinen Ort, in dem auch die Fachhochschule angesiedelt ist. Diese Arbeit macht ihr Spaß, sagt sie. Ideal, um neue Leute kennen zu lernen und einmal nicht ans Studium zu denken. Erst kürzlich war auch Sandy zum ersten Mal mit im kleinen Bistro, in dem Steffi jede Woche einmal den Abenddienst macht. Einer der ganz seltenen Anlässe, wo sich beide abseits vom Studienalltag einmal getroffen haben.

An der Fachhochschule hingegen sehen sich Steffi und Sandy fast täglich - außer an den Wochenenden. Zwischen all den Lernaufgaben, die sie gerne gemeinsam lösen, und den vielen Prüfungen, die ihnen bevorstehen, Projektabgaben, für die sie ganze Nächte durch zeichnen müssen, bleibt immer noch Zeit, in der Cafeteria eine Pause einzulegen, um ein bisschen zu quatschen. Vielleicht über Professoren und deren Prüfungsmethoden. Oder auch über eine der vielen Partys, die am Campus ständig stattfinden. Vielleicht auch über Steffis Freund, den sie bereits vor dem Abitur an ihrer alten Schule in Frankfurt an der Oder vor drei Jahren kennen gelernt hatte, der jetzt in Bremen lebt, und den sie höchstens alle 14 Tage einmal sehen kann.

Aber vielleicht sprechen die beiden in der Cafeteria neuerdings auch über etwas ganz anderes: nämlich über die Möglichkeiten, unseren Versuch einer Menschenkette - von Alis Mutter, Behjat Moaali, bis hin zu dem 108-jährigen alten Brandenburger Georg Bredtschneider - zu schließen. Wer weiß, wen Steffi noch alles kennt?