Vor etwas über einem Jahr überraschte das FAZ- Feuilleton seine Leser mit dem Hinweis, Gabriel García Márquez als neuen Mitarbeiter gewonnen zu haben. Der schrieb also über "mein Essen beim Präsidenten" (Clinton sei ein vollendeter Politiker, aber ein lausiger Liebhaber) und über "meine Freunde bei der Nato" (Generalsekretär Solana und General Clark). Dann verfiel der neue Mitarbeiter in tiefes Schweigen. Man hörte von einer schweren Krankheit und von einer Chemotherapie. Mittlerweile gilt er als geheilt, und nach einem Jahr meldet er sich nun wieder mit einer Reportage aus Kuba (Schiffbrüchig auf festem Boden) zu Wort - über den Streit um das Flüchtlingskind Elian. Doch diesmal ist der Text des Nobelpreisträgers der FAZ "nicht gut genug", wie aus Frankfurt verlautet: Sie will den Text nicht drucken. Der Bericht beginne in "einer einfachen und schönen Sprache", verfalle im zweiten Teil jedoch "in den Stil politischer Propaganda" und wärme alte "Gräuelmärchen" über die USA auf, erfuhren die Leser in einem FAZ- Kommentar. Freilich hätte die FAZ auch wie die New York Times verfahren können. Die redigierte den Text von Márquez und kürzte ihn einfach um das letzte Drittel.

Als die Chefredakteure des sterns erfuhren, dass ihr Mitarbeiter Kai Hermann dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber beim Verfassen der Autobiografie die Feder führen wird, freuten sie sich bereits auf den Vorabdruck im eigenen Blatt. Hermann erinnerte sie jedoch daran, dass er seit dem Erfolg der Kinder vom Bahnhof Zoo eine einzigartige Position bei dem Blatt einnimmt: Er darf schreiben, was, worüber und wo er will. Dem Schacher um die Vordruckrechte versuchten die stern- Chefs mit einem Trick zu entgehen. Hermann wolle doch sicher auf Kosten des sterns zur Recherche nach Kanada, oder? Der Reporter lehnte ab. Nach den neuen Regeln des Hauses könnte er ja nur Economy fliegen - er bevorzuge jedoch die Business-Class.