Der Schuldspruch hätte nicht deutlicher ausfallen können. Microsoft habe "mit seinem mächtigen Daumen die Waage des Wettbewerbs zu seinen Gunsten geneigt und damit seine Dominanz gesichert", schrieb Richter Thomas Penfield Jackson in dem mit Spannung erwarteten Urteil im Kartellprozess gegen die weltgrößte Softwareschmiede, das er am Montag verkündete.

Wer freilich gehofft hatte, das Verfahren sei damit nach fast zwei Jahren zu Ende, muss sich noch etwas gedulden. Zwar ist Microsoft offiziell für schuldig befunden, wettbewerbswidrig gehandelt zu haben. Aber Jackson wird erst in einigen Monaten über Strafmaßnahmen entscheiden. Und das Unternehmen hat bereits angekündigt, dass es gegen das Urteil Berufung einlegen wird. Kartellrechtler schätzen, dass eine endgültige Entscheidung noch mindestens zwei Jahre auf sich warten lassen wird.

Die Zerschlagung des Imperiums ist unwahrscheinlich

Ein solche Radikalkur für den Windows-Monopolisten wäre sicher die einfachste Lösung - und angesichts der Rechtsverstöße wohl auch die angemessenste. Aber selbst Befürworter dieser Maßnahme sind sich nicht einig, wie das Messer angelegt werden soll. Einige unterstützen eine Dreiteilung in jeweils ein Unternehmen für Internet-Dienste, Anwendungssoftware und Betriebssysteme. Andere wollen dagegen die Betriebssysteme noch einmal dreiteilen, um das Windows-Monopol endgültig zu zerschlagen.

Selbst wenn sich die Beteiligten auf eine Struktur einigen, stellen sich weitere schwierige Fragen: Wie werden die Spitzenmanager auf die neuen Unternehmen verteilt? Was passiert mit den 25 Milliarden Dollar, die Microsoft inzwischen auf der hohen Kante hat? Und wie lässt sich sicherstellen, dass sich nicht eine der Teilfirmen wieder wettbewerbswidrig verhält, etwa jene für Anwendungssoftware, die mit Microsoft Office über 90 Prozent des Marktes von Programmen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation kontrolliert?

Aber es ist unwahrscheinlich, dass jemand irgendwann schlaue Antworten auf diese Fragen finden muss. Denn zu einer Zerschlagung dürfte es trotz des harschen Urteils kaum kommen. Selbst die Kartellwächter im Justizministeriums gehen mittlerweile davon aus, dass eine derart einschneidende Maßnahme wohl vom Berufungsgericht oder spätestens vom Obersten Gerichtshof kassiert würde. Dort haben konservative Juristen die Mehrheit, die Microsoft voraussichtlich wohlgesonnener sein werden.

Deswegen hätte sich das Justizministerium auch auf einen Kompromiss eingelassen, der strikte Verhaltensmaßregeln für Microsoft auflistet. Dieser Ansatz hat freilich einen großen Nachteil: Kartellwächter müssten fortan überwachen, ob sich das Unternehmen auch danach richtet. Sie würden sich damit ständig in die Softwarebranche einmischen - eine Vorstellung, vor der selbst eingefleischten Microsoft-Gegnern wie Scott McNealy graut, dem Chef des Computerkonzerns Sun Microsystems.