Eigentlich gehört Wolfgang Krause einer Szene an, die nur drei Themen kennt: PS, PS und noch mehr PS. Als Entwicklungsleiter bei AMG, dem Haus-Tuner von Mercedes, hat Krause Autos für den Straßenkampf mit 400 PS ausgestattet. Seit 1991 lebt er davon, dass Leute Geländewagen haben müssen, die bei Bedarf in der Kiesgrube 200 Sachen machen. Und er kümmert sich in seiner hemdsärmelig betriebenen Tuning-Schmiede in Rheurdt bei Moers um untermotorisierte Wohnmobile. Doch eines Tages kam ein Kunde und erzählte, das Krause-Tuning habe sein Auto nicht nur schneller, sondern auch sparsamer gemacht. Das gab dem gelernten Feinmechaniker und Wirtschaftsingenieur zu denken. Er überprüfte die Verbrauchswerte, begann zu rechnen, zu entwickeln - und 1998, noch vor dem 3-Liter-Lupo, konnte er einen Kleinwagen anbieten, der mit 3,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer (DIN-Verbrauch) zurechtkommt. Und das für einen Aufpreis von nur 1600 Mark. Seitdem rufen bei Krause ganz neue Interessenten an: ökologisch interessierte Zeitgenossen. Und der PS-Macher wird neuerdings in den Medien "Ökotuner" genannt. Geradezu geschäftsschädigend, denkt man an seine Stammkundschaft.

"Alle großen Dinge", predigt Wolfgang Krause, "sind einfach." Er ist einer dieser Ingenieure, die viele Ideen haben und liebend gern einmal mit einfachen Mitteln die Entwicklungsabteilungen großer Konzerne blamieren würden. Was ihn von vielen anderen Schlaubergern unterscheidet: Krause tut was. Seine wohl wichtigste Idee war, seine Kenntnisse über die Leistungssteigerung von Motoren ausgerechnet auf unsportliche Wohnmobile anzuwenden. Deren Serienmaschinen schaffen die gewünschte Nutzlast oft kaum über den Berg. Heute hat man schließlich im Urlaub sein gekacheltes Vollbad dabei, sein Wohnabteil in Eiche rustikal, TV, Video, Satellitenanlage und Essensvorrat für drei Wochen. Zu viel für so manchen Diesel - die rollenden Ferienhäuser sind Besitzern mit knapper Urlaubszeit oft zu langsam. Krause verpasste Wohnmobilen einen Turbolader, der für eine besonders effektive Füllung der Zylinder sorgt, sowie eine elektronische Steuerung, die Biss am Berg brachte (durch "Chip-Tuning"). In der Caravan-Szene wurde Krause zum heißen Tipp; mittlerweile lassen sich große Hersteller seine Produkte ans Band liefern. Und wenn der Frühling kommt, sieht es in der Umgebung der "KLS Dipl.-Ing. W. Krause GmbH. Motorenbau und Entwicklungsgesellschaft" aus wie auf dem Campingplatz.

Darin steckt ein Rechner, der viermal in der Sekunde testet, was passiert, wenn der Motor weniger Sprit kriegt. Läuft die Maschine dann noch rund, drosselt der Rechner die Spritzufuhr weiter und magert das Gemisch ab. Dabei tastet sich die Elektronik an jenen Punkt heran, an dem die Motordrehzahl zu sinken beginnt. Konstant soll er zwar laufen, aber keinen Kubikmillimeter mehr schlürfen, als es die jeweilige Fahrsituation erfordert. Eine konventionelle Einspritzung hingegen glaubt schon a priori zu wissen, wieviel Diesel der Motor in jeder Situation braucht. De facto bedeutet das meist zu viel Gas. Krauses kleine Knauserkiste testet es jede Viertelsekunde neu.

Zwischen 22 500 (spartanisch ausgestattet) und 24 600 Mark (mit elektrischen Fensterhebern, Beifahrer-Airbag, ABS et cetera) kostet der verbrauchsoptimierte Arosa. Ein Auto für abgeklärte Menschen. Die schmalen Energiesparreifen sind nichts für schnelle Kurven und führen auch zu einem etwas längeren Bremsweg, weswegen Krause sie nur mit ABS empfiehlt. Man tuckert nur noch mit 45 PS durch die Landschaft, besser noch durch die Stadt. Denn dort lassen sich die größten Spareffekte erzielen.

Auf der neuesten "Spritsparer-Hitliste" von AutoBild steht der EC.CO!-Arosa von KLS mit 3,4 Litern Testverbrauch ganz oben. Zum Vergleich: Der 3-Liter-Lupo verbrauchte im Test der Zeitschrift 4,1, der Lupo SDI 4,9 und der Serien-Arosa 5,1 Liter Diesel. Der KLS-Fahrer kann dabei nicht nur sparen, sondern (notfalls!) die Sau rauslassen: Ähnlich wie der 3-Liter-Lupo hat Krauses Seat ein alternatives Fahrprogramm. Ein Schalterdruck führt vom "Sparschwein"-Modus zur "Wildsau". Dann hat das Autochen 90 PS und rast in der Spitze über 180.

Zur Freude des Tuners verbesserten seine Eingriffe auch die Abgaszusammensetzung. Durch kalte Abgasrückführung werden die Stickoxidemissionen kontrolliert, Einblasen von "Sekundärluft" hilft, den Ruß besser abzufackeln. So schafft der EC.CO!-Arosa die steuerbegünstigte D-4-Norm.

1600 Mark Mehrkosten im Vergleich zum Serienmodell sind fast unglaublich wenig, denn allein der Turbolader kostet 1300 Mark. Krause nutzt deshalb einen Trick: Die modifizierten Seat-Arosa sind "grau" importiert und etwa 3000 Mark billiger als beim deutschen Händler. Solche Geschäfte freuen Seat natürlich nicht. Krause, der bisher knapp 100 Arosa umgerüstet hat, bekommt derzeit keinen Nachschub mehr. Er meint, seine ausländischen Lieferanten seien vergattert worden. Heute müssen seine Kunden das Fahrzeug vorher selbst importieren.