Was ist Sanssouci schon gegen eine richtige Kneipe?

Mit meinem Freund Bernd Kramer, Bakunin-Wiedergänger und Lektoratsfuzzi des Karin Kramer Verlags Berlin, hatte ich, weil es uns langsam reichte, einen ausgedacht dumpfen "Interessenverband zum Schutze und immerwährenden Erhalt der Gaststätte Zum Goldenen Hahn" gegründet.

Begründung: Die Gaststätte ist Zeugnis noch bestehender, hoch entwickelter Trink- und Geselligkeitskultur; in ihren Räumen wird gastronomische Könnerschaft in unverwechselbarer Manier zelebriert. Die Gaststätte beherbergt singulär und epochal bedeutsame Ausstattung: ein Hirschschädelfragment, einen präparatorisch beachtlich ausgestopften Uhu. Und die treffliche Reliefdarstellung eines Schäferhundhauptes! O ja! Vor diesem Schäferhunde knie ich a) schweigend in Ehrfurcht oder zelebriere b) quatschfidel (als Hochschullehrkraft an einer Schule für Moderne Kunst!) am trefflichen Werke rauf und runter! Klassische Harmonie und Ausgeglichenheit waren nicht mein Erbteil. Vor diesem Stücke aber bade ich, allen Gram der Seele vertilgend, gleichwie interesselos in Wohlgefallen, wobei mir sogar alle zugucken dürfen.

Und dann sprang die B. Z. aus dem Hause Springer an, schickte zwei ihrer netten Jungfredis vorbei, ein Knipspeter knipste und ein Marcuseevangelist kerygmatisierte - als es schon keiner mehr glaubte - auf Doppelseite mit Balkenschrift wie folgt: "Kreuzberger Kneipe so wertvoll wie Sanssouci?". Dazu Fotos Hunderelief, Gruppenfoto innen, Foto der Antragsteller draußen beim gestellten Annageln der gefälschten Unesco-Schildchen aus Pappe. Am Hammer: der Schriftsteller Bernd Kapielski (45). Ehrlich!