Früher war Klaus-Dieter Läßker als Vorstandsvorsitzender der Axa Colonia Versicherung AG Herr über ein Beitragsvolumen von stattlichen 4,3 Milliarden Mark im Jahr. Heute ist er Chef des Start-up-Unternehmens Onsecure, eines Versicherungsmaklers im Internet, und freut sich über zwei Vertragsabschlüsse pro Tag. Ein Abstieg? Keineswegs, denn der 56 Jahre alte Läßker hat ehrgeizige Ziele: Onsecure will Marktführer werden. "Europaweit soll der Name zum Synonym für Assekuranz im World Wide Web werden."

Langsam kommt Bewegung in die eher träge Versicherungsbranche. Junge Unternehmen wie Onsecure, E-Insurance und InsuranceCity drängen ins Netz und wollen an dem lukrativen Geschäft mitverdienen. Geschätzte 245 Milliarden Mark ließen sich die Deutschen ihre Versicherungen 1999 kosten. Dabei wurden allerdings nur zwei bis drei Prozent der neuen Verträge über den Direktvertrieb abgewickelt - über Telefon, Fax oder Internet.

"Das Internet wird in der Versicherungswirtschaft einen Quantensprung in der Qualität bewirken", sagt Onsecure-Vorstandschef Läßker, "es werden ganz neue Qualitätsmaßstäbe gesetzt." Alles wird schneller, besser und vor allem billiger, so die Versprechen der Unternehmen. Schon jetzt kann der Verbraucher mit etwas Geduld und gutem Willen seinen Versicherungsschutz im Web selbst in die Hand nehmen und dabei auch noch sparen. "Im Vergleich zu einer teuren Gesellschaft kann die Ersparnis bis zu 50 Prozent des Versicherungsbeitrags ausmachen", sagt Hans Dieter Meyer, Geschäftsführer beim Bund der Versicherten. Dabei unterscheiden sich die Angebote im Web meist nicht von denen in der realen Welt. Online-Versicherungen haben aber einen gewichtigen Vorteil: Es gibt keinen Vertreter, der ins Haus kommt und einen womöglich zu überreden versucht. "Man kann sich jederzeit in Ruhe selbst einen Überblick verschaffen", sagt Mayer.

Noch wehren sich die traditionellen Versicherer aber gegen diese Entwicklung. "Sie füchten Probleme mit ihrem Außendienst", sagt Burkhard Käser von der Unternehmensberatung Roland Berger und Partner. "Dabei ist das Netz ideal, um Standardprodukte wie Kfz- oder Haftpflichtversicherungen zu verkaufen."

Erste Adresse für Surfer sind Online-Anbieter wie www.onsecure.de oder www.einsurance.de. Die Unternehmen versprechen, das billigste oder "wettbewerbsfähigste Produkt" zu finden. Sie arbeiten dabei mit klassischen Versicherungen zusammen, deren Policen sie online vermitteln. Eine Garantie dafür, dass dies das günstigte Angebot ist, gibt es freilich nicht, denn die Online-Gesellschaften decken nicht den gesamten Markt ab.

Virtuelle Preisagenturen verschaffen Überblick

Inzwischen sind fast 90 Prozent der Versicherungen im Netz vertreten. Häufig sind es noch virtuelle Werbebroschüren mit einem interaktiven Tarifrechner und einem E-Mail-Formular, mit dem der Surfer ein Angebot anfordern kann. Bis der Briefträger das schließlich bringt, können aber bis zu vier Wochen ins Land gehen, hat die Unternehmensberatung Mummert und Partner herausgefunden.