Auf der Architekturbiennale in Venedig, einer Art baukultureller Weltmeisterschaft, will Deutschland in diesem Jahr seine neue Hauptstadt vorführen. Das klingt nicht weiter ungewöhnlich, und doch waren viele Architekten blank entsetzt. Denn arrangiert wird die Ausstellung im deutschen Pavillon von Hans Stimmann, dem Berliner Senatsbaudirektor, der berüchtigt ist für seinen Hass auf die Moderne und seine Vorliebe für vergangenheitstrunkene Bauvorschriften. Stimmann gilt manchem gar als Neuteutoniker, als jemand, der viel von Tradition spricht und fast immer nur das 19. Jahrhundert meint. Dass ausgerechnet er den Pavillon der Biennale bespielen soll, drückt betonschwer auf viele Architekten.

Doch wird die Aufregung verpuffen. Das Konzept für Venedig, an dem immer noch gebastelt wird, ist auf Ausgleich und Besänftigung bedacht. Alle sollen zu ihrem Recht kommen, und seiner markigen Worte dürfte sich Stimmann wohl um des lieben Friedens willen enthalten. Nur die eine Frage wird sich von dieser Zwangsharmonie nicht unterdrücken lassen: ob sich denn die neu-alte Hauptstadt überhaupt als Biennale-Beitrag eigne.

Nur eine Ausstellung, die dieses gewohnte Freund-Feind-Denken durchbräche, hätte aus Berlin einen sinnvollen Biennale-Beitrag machen können. Doch dafür fehlte die Zeit. Statt von langer Hand einen Wettbewerb auszuloben für die besten Ausstellungsideen, wurde die Biennale vom Auswärtigen Amt, das zuständig ist, schlicht vertrödelt. Das Bundesbauministerium sprang ein, ein paar Verbände mischten mit, und am Ende kam eine rasch zusammengeschraubte Berlin-Schau heraus.

Dieses Hauruck erinnert an einen anderen deutschen Pavillon, an den der Expo in Hannover. Auch dort wollten alle irgendwie mitreden, keiner mochte die Verantwortung schultern, und schließlich erwuchs ein Gebilde auftrumpfender Mittelmäßigkeit. Man kann in ihm das Mahnmal einer deutschen Architekturpolitik sehen, die uns nun auch in Venedig wieder begegnet. Alles Repräsentative ist ihr nur lästige Pflicht oder ideologische Kür. Von der ästhetischen Chance aber will sie nichts wissen.