In der Unterschicht sind die Dominanzgesten, mit der die jungen Männer ihre hervorragende Stellung in der Welt dokumentieren, noch vorwiegend körperlich und direkt: raus mit dem Brustkasten, hoch mit dem Kinn, und die Schultern werden locker auf und ab bewegt. Ja, so kommt er zur Geltung, der ganze Kerl, der einen kioskartigen Kramladen mit Zeitungen, Zigaretten und schrulligen Stammkunden führt. Dass er Atze Schröder heißt (genau wie sein Darsteller) und die Superbraut Biene sein Eigen nennt, sind in seinen Augen hundert weitere Pluspunkte. Es ginge echt alles spitzenmäßig klar in Atzes Leben, wäre da nicht Murat.

Dieser junge Mann (gespielt von Fatih Cevikkollu) ist Atzes Lehrling und Angestellter, Laufbursche und Fußabtreter, Typ fürs Grobe und Sündenbock, dessen türkische Familie ihn im Mittelalter festhält. So jedenfalls sieht es Atze. Dass es in Wirklichkeit Murat ist, der den Überblick behält und die Folgen von Atzes Missgriffen ausbügelt, ja überhaupt den Laden am Laufen hält, das entgeht dem Boss mit der geschwellten Brust. Und Murat ist sogar derart souverän, dass ihm das egal ist. Ein gewisses Dauerkopfschütteln über die Allüren seines Chefs hat er verinnerlicht, es kommt nur als belustigter Blitz in seinen Augenwinkeln zum Vorschein - und so können die beiden loslegen und Comedy machen: Atze und Murat, zwei Jungs aus dem Kiez, aufgeblasen, trickreich, frech und feist der eine, kompetent, seriös, wendig und cool der andere. Ein klassisches Herr-Knecht-Paar, nur dass diesmal die typischen Merkmale akkurat vertauscht sind.